Nr. 162 Ph.J. Spener an A.H. Francke 29.4.1699 593
162. Ph.J. Spener an A.H. Francke
Berlin, 29. April 1699
Inhalt
Empfiehlt den Studenten Johann Sigismund Eschilsohn. — Sieht angesichts von Franckes „Bekenntnis" harte Auseinandersetzungen bevorstehen.
Überlieferung
A: AFSt/H A 125: 87 D: Kramer, Beiträge, 401
Völliges heil und sieg von unsrem Heiland und Sieges fürsten Jesu Christo!
In demselben hertzlich geliebter Bruder, wehrter Gevatter, HochEhrwürdiger Herr.
Dieses lifFert Herr Eschilsohn von Sorau 1 , den der S. Herr Fritzsch 2 hatte kommen laßen vor seine kinder 3 , der aber jetzo an ihrem ort den studiis ob- zuligen verlangt. Er ist eine fromme seele, und hat mit vielen anfechtungen lange zu kämpffen gehabt; das hoffe, der Herr werde ihn zu einem werckzeug seiner gnade bereiten, und Christliche hertzen sich seiner annehmen: dergleichen auch von gel[iebtem] Herrn Gevfatter] ihn versichert, und hiemit bitte.
Die communicirte acta 4 habe gestern gelesen. Alea iacta est. 5 Der Herr helffe durch. Ich sehe einen schwehren kampff, noch aber keinen außgang. Dieser stehet allein in der hand des Herren. Wie es an Herrn geh[eimen] Rath von Fuchs 6 gelangen solte, verstehe nicht, weil kein schreiben an denselben
6 /hat/.
1 Johann Sigismund Eschilsohn (gest. Dez. 1699), geb. in Sorau in der Lausitz; zunächst Informator in Berlin, ab Mai 1699 Studium in Halle, zudem ab August 1699 Informator am Paedagogium Regium (AFSt/S A I 194: 13; Matrikel Halle, 138; Dreyhaupt 2, 170).
2 Johann Fritzsch (s. Brief Nr. 149, Anm. 8).
3 Fritzsch hatte 6 Söhne und 2 Töchter, von denen zum Zeitpunkt seines Todes (Febr. 1699) zwei Söhne bereits verstorben waren (Ph.J. Spener, LP Johann Fritzsch [s. Brief Nr. 149, Anm. 8], 132). Namentlich nachweisbar sind Johann und Matthias Fritzsch, die 1699 Schüler im Paedagogium Regium wurden (AFSt/S A I 194: 137). Friedrich Fritzsch (6.11.1691-10.10.1755) studierte 1713 in Halle, wurde 1722 Pfarrer in Zollchow, 1732 in Bardenitz bei Luckenwalde und 1742 adjungierter, ab 1751 Superintendent ebd. (Matrikel Halle, 161; Pfarrerbuch Brandenburg 2/1, 222).
4 S. Brief Nr. 161, Anm. 3.
5 Angeblich Ausspruch Cäsars beim Übergang über den Rubikon (Otto, Sprichwörter der Römer, 12f).
6 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).