Nr. 177 Ph.J. Später an A.H. Francke 30. 9. 1699
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scriptum ex Luth. von der beicht 19 wider Herrn D. Deutschmann 20 edirt, das man in Hall nicht haben wollen, auch vielleicht nicht viel dran zu profitiren sein wird. Daher habe ich billich bedencken, ihn zu betrüben, und ursach zur klage zu geben. Was den guten freund von Caßel anlangt 21 , solle mir lieb sein, mit ihm bekannt zu werden, und zu hören, was Gott auch ihres orts gutes thue.
Nun habe einiges wegen Herrn Genferal] Superintendenten] Lüders zu schreiben" - .
1. Ist vor ihn gekommen, das gel[iebtem] Bruder und Herrn Cellario 23 die Oberinspection der schulen in Magdeburg u. Halberstatt auffgetragen worden. 24 Nun dieses letzte, das Halberstatt mit darbey, kan mich nicht erinnern. 25 Er wünschte, wo solches also, das erst mit ihm drauß communicirt worden wäre: weil die general Inspection der schulen mit der Gener[al] Superintendentz allerdings combiniret seye: dahero wo in anordnung und verbeßrung des Schulwesens in dem fürstenthum etwas vorgenommen werden
43 drauß ] + mit ihm: A [Dittographie].
19 [Christoph Matthaus Seidel], Christ=Lutherische Unterredung/ Uber Hr. D. Joh. Deutschmanns TRACTAT, (Tit:) Der Christ=Lutherischen Kirchen Prediger Beichte und Beicht=Stuhl/ [...] Worinnen Aus Herr D. Martin Luthers eigenen SchrifFten zu erkennen/ daß Herr D. Deutschmann in seinem Tractat, [...] keines weges Christ=Lutherisch lehre, Frankfurt a.M. 1699. - Spe- ners Vorrede datiert vom 14.8.1699 (Grünberg Nr. 264).
20 Johann Deutschmann (10.8.1625-12.8.1706), geb. in Jüterbog; 1645 Studium in Wittenberg (1648 Magister), 1652 Adjunkt der philos. Fakultät; 1657 Lic. theol. und ao. Prof., 1658 Dr. theol., 1662 o. Prof. theol. in Wittenberg; 1688 Senior der theol. Fakultät (DBA 233, 27-76; ADB 5, 93; NDB 3, 625; Jöcher 2, 99-102; BBKL 1, 1276; RGG 4 2, 772). - Gemeint ist hier J. Deutschmann, Der Christ=Lutherischen Kirchen/ [...] wolgegruendete/ und woleinge- richtete Prediger=Beichte/ und Beichtstul/ [...] Wider Hr. D. Speners Alleinigen Mißbrauch/ Hr. M. Schaden Satans— Stul/ und Feuer=Pful/ und anderer Pietisten Babelischen/ und Anti- Christischen Greuel/ sampt einen doppelten Anhang/ I. Von der Christen Pansophia des Ver- diensts Christi, II. Von der Pietisten Lehr und Leben/ aus den Actis Publ. Zu Rettung der Warheit auß gegeben/ [...], Wittenberg 1698 (Grünberg Nr. 406).
21 S. Brief Nr. 176, Z. 38-40.
22 Spener bezieht sich im folgenden auf einen nicht überlieferten Brief des Halberstädter Generalsuperintendenten Justus Lüders (s. Brief Nr. 7, Anm. 18).
23 Christoph Cellarius (s. Brief Nr. 49, Z. 38-40).
24 Auch die Übertragung der Schulinspektion im Herzogtum Magdeburg, die der Kurfürst Francke in einer Audienz am 9.9.1699 in Berlin versprochen hatte (vgl. Deppermann, 124), war ein vorläufiger Erfolg der Berlinreise (s. Anm. 2). Das Reskript, in dem die Inspektion über die Schulen Francke und Cellarius (s. Anm. 23) und die Oberinspektion dem Regierungsrat Carl von Dieskau (s. Brief Nr. 178, Anm. 10) übertragen wurde, datiert vom 18.9.1699 (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 128 a 1, 1689-1731, Bl. 331). Diese Regelung kam aufgrund des Widerspruchs von Dieskaus aber nicht zustande (s. Brief Nr. 184, Z. 16-18 und Anm. 15).
25 Breithaupt und Johann Peter Ludwig, der Dekan der philos. Fakultät, die am 29.8.1699 dem Kurfürsten den Personalvorschlag gemacht hatten, hatten hierbei auch das Fürstentum Halberstadt im Blick gehabt (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 128 a 1, Bl. 333f). Der für das Konsistorium bestimmten positiven Antwortnotiz ist aber bereits hinzugefügt, daß das Fürstentum Halberstadt nicht hinzuzuziehen sei (aaO, Bl. 334).