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Nr. 177 Ph.J. Spater an A.H. Francke 30. 9. 1699
solte, könte er darvon nicht außgeschloßen, sondern müßte allerdings mit darzugezogen werden: so er zwahr auch zu geschehen nicht zweifflen will, anders es viel confusion nach sich ziehen, und er selbs samt dem gantzen Consistorio dagegen zu reden genöthigt werden würde. Da in dem übrigen es ihm lieb u. eine freude sein solle, das so hochnöthige und nützliche werck mit wehrten freunden anzugreiffen, darvon er viel gutes hoffe. Was mich anlangt, wie mich nicht recht besinne, das Halberstatt mit begriffen, achte die erinnerung allerdings billich.
2. Es hat Herr Weimer 26 durch Herrn D. Petersen 27 an mich gelangen laßen, das die Propstey des Closters vor Egeln alternative von einem Lutherischen und wider Päpstischen versehen worden. 28 Jetzt seye ein Päp- stischer 29 außer der Ordnung da, aber nur auff einige jähr angenommen, die nun expirirten 30 , u. hat er darvor gehalten, das es billich wider an einen
47 sondern ( sont...(?). 49 /confusion/.
26 Wohl Johann Weimer (um 1650—1704), geb. in Egeln; zunächst Rektor in Winsleben, seit 1678 Pfarrer in Schermcke bei Oschersleben (DBA 1349, 276-278; Auskunft Pfarrerkartei der KPS). - Weimer veröffentlichte mehrere Schriften, in denen er für eine Verbesserung der Kirche, v.a. eine strengere Beichtpraxis eintrat (Mens cordis/ [...], Magdeburg 1688; Gründliche Anleitung zur Rechten Andacht für Diejenigen/ so zur Beichte und dem heiligen Abendmahl sich einfinden: [...], Magdeburg 1690; Einfaltige Anweisung/ wie die protestirende Kirche unter sich zu vereinigen und in allen Dingen [...] zu verbessern sey/ [...], o.O. 1698; vgl. auch Weimer an das Magdeburger Konsistorium, 17.4.1700 [AFSt/H D 81: 876f, Abschrift]).
27 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).
28 Das Zisterzienserinnenkloster Marienstuhl bei Egeln (heute im Ortsgebiet Egeln), dessen Kirche seit dem Ende der 70er Jahre des 16. Jahrhunderts simultan von der lutherischen Gemeinde Egeln-Altenniarkt und dem Kloster genutzt wurde, hatte von 1597 bis 1641 in Ermangelung katholischer evangelische Laienpröpste gehabt (Bartholomaus Söchting [1597—1634], Johannes Schlichter [1634-1639] und Valentin Grosse [1639-1641]; vgl. F. Schräder, Die ehemalige Zisterzienserinnenabtei Marienstuhl vor Egeln. Ein Beitrag zur Geschichte der Zisterzienserinnen und der nachreformatorischen Restbestände des Katholizismus im ehemaligen Herzogtum Magdeburg [Erfurter theologische Studien, 16], Leipzig 1965, 61 f. 185f). Die Einsetzung katholischer Laien und Kleriker als Pröpste ab 1642 (Johannes Mailin [1642—1647], Bartholomäus Härtung [1647-1670], Johannes Potty [1670-1695], vgl. aaO, 185f) verdankte sich der Tatsache, daß Kurfürst Friedrich Wilhelm bis 1680 die von ihm beanspruchten Iura episcopalia nur vorsichtig zur Geltung brachte (aaO, 111). Bei der Bestätigung Pottys im Jahre 1670 behielt er sich aber ausdrücklich vor, wieder einen Propst Augsburgischer Konfession einzusetzen (aaO, 102). Ab 1687 wurde das durch Friedrich III. in Reaktion auf eine ohne Hinzuziehung landesfürstlicher Delegierter vollzogene Abtissinnenwahl vehement eingeklagte Recht, einen evangelischen Propst einzusetzen, zum deutlichen Symptom verstärkten Drucks des Landesherrn auf das Kloster (aaO, 107). Aufgrund des Widerstandes des Klosters wurde Potty 1691 für 3 Jahre und 1694 für weitere 6Jahre bestätigt (aaO, 108). Zu Propst Jordan s. Anm. 29 bis 31.
29 Christoph Jordan (1659-5.6.1724), geb. in Borgholz bei Paderborn; 1685 Ablegung der Profeß im Zisterzienserkloster Marienrode bei Hildesheim, 1687 Priesterweihe und Tätigkeit als Cellerar in Marienrode; 1695 Berufung zum Propst des Klosters Marienstuhl bei Egeln (Schräder [s. Anm. 28], 111. 125).
3(1 Jordan war am 29.7.1695 für 5 Jahre - den Rest der für den 1694 verstorbenen Propst Potty vorgesehenen Zeit - bestätigt worden (Schräder [s. Anm. 28], 111).