Nr. 111 Ph.J. Spener an A.H. Francke 30.9.1699

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Luthferischen] zu bringen 31 , und wo er darzu gelangte, wolte er ohne andern entgeld auch in Egeln predigen. Hierüber schreibt mir Herr Lüders auch: Ich habe ihn darvon abgerathen, und remonstrirt, das dem publico darmit beßer gedinet werden könte, wan sie zu Halle einem prof[essori] Theol[ogiae] gegeben würde, oder sonsten ein Mann dahin gesetzt würde, der zu Halle mitarbeiten, und die Ecclesiastica oder Schulwesen im lande mit respiciren könte, so er gleichfals approbirt, u. von seinem vorhaben abgestanden. Hier­über verlangt Herr Lüders, das mit gel[iebtem] Bruder conferiren solle, was zu thun sein möchte.

3. Wegen Herrn Synd[ici] Hoffmanns 32 schreibt er: vernehme, das man darmit umgehe, ihn als einen referendarium beym Consist[orio] in Halle zu bestellen. Nun ist es etwas. Ich wüßte aber nicht, was hindern solte, darauff zubestehen, ihn alß einen ordenlichen Consfistorial] rath hinein zubringen, so könte der Mann beßer gebraucht werden. Worbey ihm committirt werden könte, die externa bey dem Kirchenwesen, als die oeconomica und patrimo- nia Ecclesiarum zu respiciren im H[erzogthum] Magdeburg: und wäre leicht vor ihn eine besoldung von 400 thaler auffzubringen, wenn jede kirch darzu etwas weniges contribuirte, weil der mann keine mittel hat, und ohne hülffe u. zubuß in Halle, nicht wol subsistiren könte. Ich achte es dem lande sehr zuträglich auch practicabel sein, weil er bey einrichtung des armenwesens gebraucht worden. Er setzt noch einen andern Vorschlag: Ob er nicht bloßer dings wie ein Syndicus bey dem kirchenwesen im Fürstenthfum] Magdeburg bestellet werden könte, wo es ja mit dem Consfistorial] R[ath] difficulteten geben solte. De his quid videtur? Und was wäre zuthun? Auch wie die sache anzufangen? Stünde es bey mir, solte er ohne verzug accomodiret werden. 33 Die zeit leidet nicht mehr, als das nechst treuer empfehlung deßen und gantzen hauses, auch aller löblichen anstalten verbleibe

Meines hochgeehrten Herrn Gev[atters] u. gelfiebten] Bruders zu gebet u. liebe williger

Ph[ilipp] Jjacob] Spener D. Mppria.

Berlin den 30. Sept. 1699.

31 Tatsächlich wurde erst nach dem Tod Jordans im Jahre 1726 Christian Friedrich Premsei als evangelischer Propst, der spater jedoch zum Katholizismus konvertierte, eingesetzt (Schräder [s. Anm. 28], 125-128]). Er verwaltete das Amt bis 1772. Ihm folgten bis zur Aufhebung des Klosters im Jahre 1809 noch 4 katholische Pröpste (aaO, 186; vgl. auch Brief Nr. 239, Z. 3-7).

32 August Holtmann (s. Brief Nr. 116, Anm. 36).

33 Hoffmann wurde noch im Oktober 1699 eine Stelle als Regierungsrat in Darmstadt an­geboten (s. Brief Nr. 180, Z. 31-35), so daß es zu den erwogenen Anstellungen in Halle nicht kam.