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Nr. 179 Ph.J. Spener an A.H. Francke 10.10.1699

179. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 10. Oktober 1699

Inhalt

Sieht wenig Möglichkeiten für Personalpolitik in Pommern (Stargard, Colberg). Reagiert kurz auf Themen aus Franckes Brief (Streit mit den Stadtgeistlichen, Propstei Marienstuhl und Unser Lieben Frauen, Anstellung August Hoffmann). - Empfiehlt den Studenten [Martin] Martzan.

Überlieferung

A: AFSt/H A 125: 95

D: Kramer, Beiträge, 417-418

Von unsremjesu alles sein heil!

In demselben hertzlich geliebter Bruder, wehrter Herr und Gevatter.

Dieses geschihet nicht allein zur antwort', sondern vornehmlich wegen einschlußes 2 . Was nun die adjunctur Herrn D. Zierolds 3 anlangt, 4 solte sie, wo es in meiner hand stände, morgen geschehen. Ich sehe aber große difiiculte- ten: doch will mit gelegenheit, dann diese muß sonderlich außgesehen sein, wo man was außrichten solle, Herrn geh[eimen] R[ath] von Fuchs 5 hierüber sondiren, was außzurichten. 6 Daß er des Herrn D. Heilers 7 eydam ist 8 , hindert die sache mehr als fordert: weil derselbe extreme in Pommern verhaßt. Wegen

1 Antwort auf Franckes Brief vom 7.10.1699 (Brief Nr. 178).

2 Nicht überliefert.

3 Johann Wilhelm Zierold (14.5.1669-15.8.1731), geb. in Wiesenthal bei Annaberg; 1688 Studium in Leipzig (1690 Magister), 1693 Adjunkt der philos. Fakultät in Halle; 1696 Pfarrer an St. Johannis in Stargard, 1697 erster Prof. theol. am Gymnasium Groeningianum in Stargard, 1698 Dr. theol. (Halle); 1701 Konsistorialrat, 1711 Pfarrer an der Marienkirche, Präpositus der Synode und Konsistorialassessor, 1714 Pastor primarius und Prof. theol. am Gymnasium in Stargard (DBA 1412, 143a-146; ADB 45, 207f; Jöcher 4, 2203f; Matrikel Leipzig, 513; Matrikel Halle, 497; Pfarrerbuch Pommern 1, 413f. 422; Wotschke, Pommern 1, 19-25; Heyden, Stargard, v.a. 5962). Zierold, dessen Berufung nach Stargard Spener befördert hatte und der 1696 an­gefangen hatte, in Stargard ein Waisenhaus nach Halleschem Vorbild zu gründen, wurde zum entscheidenden Führer der pietistischen Bewegung in Hinterpommern.

4 Eine frühere Thematisierung der Adjunktur (s. Anm. 6) läßt sich nicht nachweisen.

5 Paul von Fuchs (s. Brief Nr. 95, Anm. 4).

6 Offenbar versuchte Zierold zu diesem Zeitpunkt, über Spener und die Berliner Regierung zu erreichen, daß der Konrektor am Groeningianum und Führer seiner Gegnerschaft Joachim Friedrich Schmidt (16701724) ihm als Adjunkt zur Seite gestellt wurde, was für diesen ver­mutlich die Aufgabe des Konrektorates und somit einen Verlust an Einfluß bedeutet hätte (vgl. Spener an Zierold, 25.11.1699, in: Heyden, Stargard, 69). Spener verhandelte hierüber mit von Fuchs beispielsweise am 24.11.1699 - die Angelegenheit wurde jedoch nicht zu Zierolds Gunsten entschieden (vgl. Spener an Zierold, 25.11., 9.12., 18.12.1699 und 12.1.1700, aaO, 69f).

7 Günther Heiler (s. Brief Nr. 42, Anm. 30).

8 Zierold hatte am 15.5.1699 Margarethe Elisabeth, die Tochter Günther Heilers, geheiratet (Pfarrerbuch Pommern 1, 414).