Nr. 179 Pli.J. Später an A.H. Francke 10.10.1699

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der andern sache mit Colberg sorge es gar nicht anzugehen. 9 Auch ist nicht 10 rathsam Herrn Raunern von Wesel abzufordern 1 ", da ihn Gott beßer braucht. Also wirds auch schwehr werden, an Herrn Calbii" stelle einen nach wünsch zu kriegen 12 : in dem die statt fest auff ihrem jure patronatus stehet, es auch res invidiae plena, wo es nur das ansehen gewinnt, das man dasselbe schwächen wolle. Wird gnug sein, wo man nur keinen öffentlichen Widersacher bekomt, 15 da mich sonsten Herr D. Zierold dauern würde.

Auff das eigne schreiben 13 zu kommen, wundre mich, das ministerium mit der abolitione nicht zu frieden 14 , ich sorge, sie werden sich auff mächtigen vorsprach verlaßen. Sie thäten aber klüger, zu ruhe zu sein, u. was sie gehört, vor lieb zu nehmen, um nicht mehr zu hören. Der Herr führe es auß zu 20 seinen ehren. 15 Daß die inspectio scholarum Halberstatt nicht mit betrifft 16 , vernehme sofern gern, wiewol sichs mit Herrn G[eneral] Superintendent] Lüders 17 auch würde gegeben haben, da er als Ordinarius mit darzu gezogen worden. 18 Wegen Egeln will ich versuchen, was müglich seye außzurichten, bin auch nicht ohne hoffnung. 19 Aber als eine beständige besoldung eines 25 proffessoris] Theol[ogiae] könte es nicht sein, weil ein Lutherischer u. Päp­stischer Propst zu alterniren pflegen. Vor allem ist billich, das geliebter Bruder beßer versorget werde. 20 Welches Gott selbs fuge.

Wo Herr D. Hoffmann 21 profjessor] juris extraordfinarius] würde 22 , wäre

17 /eigne/. 19 /ruhe/ : (frieden).

5 Es ist nicht zu ermitteln, welche Angelegenheit Spener hier meint. Da es in den Jahren 1699/1700 in einem Colberger Stadtpfarramt keinen Stellenwechsel gegeben hat, kann an­genommen werden, daß es um die Einrichtung einer Adjunktur oder die Besetzung einer Stelle an einer Schule ging.

'" Wolfgang Balthasar Rauner war Pfarrer in Wesel (s. Brief Nr. 133, Anm. 15).

11 Karl Wilhelm Calbius (geb. 1665), geb. in Stettin; um 1690 Pfarrer in Schlawe, 1696 Dia­kon an St. Johannis und Pfarrer an der Augustinerkirche in Stargard; ab November 1699 Pfarrer und Präpositus in Gülzow in Hinterpommern; später aus dem Amt entlassen und wohl in Danzig gestorben (Pfarrerbuch Pommern 1, 319. 424. 426; 2, 428f).

12 Nachfolger von Calbius in Stargard wurde im Jahre 1701 Johann Christoph Männling (1658-1723; vgl. Pfarrerbuch Pommern 1, 424f).

13 S. Anm. 1.

14 S. Briefe Nr. 178, Z. 4f und Nr. 184, Z. 12-16 und Anm. 7.

15 Vgl. Ps 74,22 u.ö.

16 Zur Schulinspektion s. Briefe Nr. 177, Anm. 24, Nr. 178, Z. 10-12 und Nr. 184, Z. 39-43 und Anm. 15.

17 Justus Lüders (s. Brief Nr. 7, Anm. 18).

18 Zu Lüders' Votum in der Sache der Schulinspektion für das Fürstentum Halberstadt s. Brief Nr. 177, Z. 40-54.

19 Zur Frage der Einsetzung eines evangelischen Propstes im Kloster Marienstuhl bei Egeln und der Idee, die Besoldung einer Theologieprofessur zuzuordnen, s. Briefe Nr. 177, Z. 55-68 und Anm. 28-31 und Nr. 178, Z. 13-15.

20 Zu Franckes Besoldungsproblemen s. Brief Nr. 178, Z. 15-46.

21 August Hoffmann (s. Brief Nr. 116, Anm. 36).

22 S. Brief Nr. 178, Z. 47-50.