Nr. 190 Ph.J. SpeiieranA.H. Francke 13.1.1700
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ten wolle, geschrieben worden'". Daher an seiner ankunfft nicht zweiffle": Solte aber Gott vorher einige composition fügen 12 , wäre es auffs wenigste eine 35 gute Vorbereitung, und würde sich alsdann bey seiner gegenwart ergeben, ob und was noch vor ihn zuthun übrig sein möchte. Er kan alsdann auch darzu nutzen, wie Herr Vicec[anzler] 13 hier seyende, es davor gehalten, das bey außführung der sache ein Theologus erfordert würde, der nachmal in einer predigt dasjenige der gemeinde vorstellen möchte, wodurch alle bey ihnen 40 gefaßte ärgernußen auffgehoben werden daß ers alsdann thue: Welches an sich selbs keine undienliche sache: Ob ich wol sehr sorge, das Herr D. Fischer dem Herrn ViceCfanzler] nicht eben angenehm sein werde. Der Herr, der alles in händen hat 14 , gebe gnade zu einer nicht nur palliativa sondern solida curatione mali 15 : die allein von seiner krafft und gnade her kommen muß. 45
Wie es wegen des an Herrn D. Olearii 16 stelle erwehlten Herrn D. Meiers 17 noch hier abgehen, sonderlich wo die confirmatio des pastorats folgte, ob auch die andre stellen 18 mit conferirt, werden werden, weiß ich, nach gethaner remonstration, nicht. 19 Vor unsern lieben Herrn D. Breithaupt
38 /davor/ : (nöthig). 41 /daß ers alsdann thue:/.
1,1 Speners Brief an Fischer vom 3.1.1700 (Cons. 3, 781b-782a).
11 Fischer kam erst Mitte März 1700 nach Berlin (s. Brief Nr. 198, Z. 50f); am 31.3. reiste er nach Halle (s. Brief Nr. 204, Z. 3-5).
12 Vgl. Franckes diesbezügliche Vorschläge vom 30.12.1699 (s. Brief Nr. 189, Z. 24-40.
13 Gottfried Stößer von Lilienfeld (s. Brief Nr. 141, Anm. 10).
14 Vgl. EG 102, Strophe 3; 133, Strophe 8; 398, Strophe 2.
15 Eigentlich medizinisch: nicht nur lindernde, sondern gründliche Heilung vom Bösen.
16 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).
17 Gerhard Meyer (26.8.1664-25.2.1723), geb. in Hamburg; 1683 Studium in Leipzig, 1684 in Wittenberg (1685 Magister), 1687 Adjunkt der philos. Fakultät ebd.; 1691 Prof. für Logik und Metaphysik am Gymnasium in Hamburg; 1692 Lic. und 1698 Dr. theol. in Wittenberg; 1699 Pfarrer, Superintendent und Kirchenrat in Quedlinburg; 1701 Superintendent, Kon- sistorialrat und Pfarrer an St. Petri in Bremen (DBA 836, 274-310; Jöcher 3, 367f; EB 4, 1214— 1217; Matrikel Leipzig, 283; Matrikel Wittenberg, 221; Pfarrerbuch Bremen 2, 194; Stolberg Nr. 16371). — Meyer, der in seiner Studienzeit noch mit Francke befreundet gewesen war (vgl. Schulz, 34) und später einen Ruf an die Universität Halle ausgeschlagen hatte (vgl. Jöcher EB 4, 1215; Rotermund 2, 22), wurde in Quedlinburg zu einem entschiedenen Gegner von Johann Heinrich Sprögel (s. Brief Nr. 8, Anm. 10) und Gottfried Arnold (vgl. Schulz, 199. 214-228 u.ö.; vgl. auch Anm. 19). Im Jahre 1715 lehnte er eine Berufung zum Nachfolger von Johann Friedrich Mayer (s. Brief Nr. 17, Anm. 35) nach Greifswald ab (vgl. u.a. Jöcher EB, ebd.).
18 Das Inspektorat über die Hallesche Stadtgeistlichkeit wie auch über den 1. Saalkreis und eine Konsistorialratsstelle.
19 Meyers Berufung zum Nachfolger von Olearius war durch den Hallenser Magistrat erfolgt und kam aufgrund des Widerspruchs des Kurfürsten nicht zustande (vgl. u.a. J.O. Thiess, Versuch einer Gelehrtengeschichte von Hamburg nach alphabetischer Ordnung mit critischen und pragmatischen Bemerkungen, Bd. 2, Hamburg 1780, 21; Rotermund, aaO). Dies geschah offensichtlich auf dem Hintergrund der Tatsache, daß der Kurfürst anhand der Einsetzung Meyers zum Superintendenten in Quedlinburg gerade erst seinen Anspruch auf das Jus episcopale gegenüber der dortigen Äbtissin Anna Dorothea von Sachsen-Weimar (s. Brief Nr. 14, Anm. 2) demonstriert