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Nr. 190 Ph.J. Spener an AM. Francke 13.1.1700
50 habe jetzo wenig hoffnung 20 , indem das neuliche distichon 21 hier allzuviel verdorben hat 22 : Denn ob wol die orthodoxia gnugsam gerettet ist durch das programma 23 und die beygesetzte declaration 24 , so ist doch darmit nicht aller Unwillen weg, und braucht gute zeit, bis sich der motus animorum wider leget. Daher gern etwas darvor schuldig sein wolle, si res facta infecta fieri
55 possit. DaraufF habe noch einiges vertrauen, wenn Herr D. Fischer nach der commission favorable relation abstattet. 25 Wir müßen aber alles dem Herrn befehlen.
Hiemit berichte, das gestern der liebe Herr Blanckenberg 26 angekommen, und nun wann erst einige schwehrigkeiten werden abgethan sein, das amt 60 antreten wird. 27 Der Herr laße es in seiner gnade geschehen, und segne
hatte: Meyer war am 19.3.1699 durch Vermittlung Johann Friedrich Mayers (s. Anm. 17) und kurfürstliche Investitur in sein Quedlinburger Amt eingeführt worden (vgl. Schulz, 188—194).
20 Spener und Francke hatten Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) als Nachfolger von Olearius im Inspektorenamt vorgeschlagen (s. Briefe Nr. 186, Z. 3—15 und Anm. 8 und Nr. 188, Z. 3-15).
21 JJ. Breithaupt, Lacrymae super obitu praematura, at beatissimo, viri juvenis praeclarissimi, Dn.Johan. Krebsii, [...] Nati A. MDCLXXVI [...] Denati in Jesu pie ac placide a.d. VI. Decemb. A. MDCXCIX. In Academia Electorali Hallensi [...] d. VIII. Decembr. fierent [...], [Halle 1699] (vhBFSt 21 B 8, Nr. 6).
22 Wie die in der zweiten Fassung der Lacrymae hinzugefügte Fußnote (s. Anm. 24) und Breithaupts Universitätsprogramm zum Weihnachtsfest 1699 (s. Anm. 23) zeigen, bestand die Problematik des Gedichts offensichtlich in der abschließenden Anrufung (Apostroph) des Verstorbenen: „Quod superest, nobis pro peccatoribus ores, | O KREBSI, & nostrüm sis memor ante Patrem!" (aaO, [3]).
23 JJ. Breithaupt, Lacrymae super obitu praematura, at beatissimo, viri juvenis praeclarissimi, Du. Johannis Krebsii, [...]. Editio secunda, absque ullä carminis mutatione. Subjungitur Programma ejusdem Academicum, Festo Nativitatis Dominicae dicto anno praefixum, exemplo Invocationis Sanctorum Pontificiae docens, Christianae praxeos neglectum superstitioni atque erroribus ansam dare, [Halle 1699] (vh BFSt, ULB Halle, UB Dresden). - Zum Streitpunkt s. Anm. 24.
24 In der 2. Auflage des Gedichts ist die Anrufung des Verstorbenen (s. Anm. 22) mit einer Fußnote versehen, in der Breithaupt erläutert, daß der Status nach dem Tod den Gottesdienst nicht ausschließe, so daß es möglich sei, den Toten „per Apostrophen optativam" anzusprechen. Diese Art der Anrufung sei nicht zu verwechseln mit dem homiletischen oder rhetorischen Apostroph, der in den Schriften der Väter begegnet, die priesterliche Anrufung der Heiligen begründet und imperativen Charakter hat. Der „Poetica Apostrophe" kann nicht in einen fremden Sinn gewendet werden, „nedum optativa isthaec, Propemptica, & charitativa quae dici solet" (Lacrymae, 2. Aufl. [s. Anm. 23], [5], Anm. c). - Im beigefügten Universitätsprogramm (s. Anm. 23) führt er als Zeugen für die von ihm gemeinte Art der Anrufung Martin Chemnitz, Hieronymus, die Apologie der CA XXI, mehrere Schriftbelege (Ps 2,12; Apk 3,20; IKor 3,21-23; Hebr 12,22-24) und Johann Gerhard (s. Brief Nr. 10, Anm. 13) an (Universitätsprogramm, [4-7|).
25 In dem im Ergebnis der Untersuchungskommission verfaßten Bericht dessen/ Was wegen der Zwischen den Evangelisch=Lutherischen Geistlichen/ Von der Universität und Stadt=M- inisterio in Halle/ [...] geschwebten Differentien [...] abgehandelt/ [...] worden [...] (s. Brief Nr. 224, Anm. 3) finden sich keine Hinweise auf den hier erwähnten Vorgang.
2,1 Konrad Gottfried Blankenberg (s. Brief Nr. 22, Anm. 31).
27 Blankenberg war bereits am 8.8.1699 zum Adjunkten Speners berufen worden (s. Brief Nr. 158, Anm. 13). Der Befehl zu seiner Einführung erging erst am 17.2.1700, nachdem die Besoldung geklärt war (vgl. Aland, 70f. 154. 164-166; Brief Nr. 168, Z. 49-57 und Anm. 24).