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Nr. 218 A.H. Francke an Ph.J. Spener 122.(7)5. 1700]

218. A.H. Francke an Ph.J. Spener

Glaucha, [22. (?) Mai 1700]'

Inhalt

Hofft, daß das Universalprojekt als Vorschlag der Kommission an den Kurfürsten gelangt. Befürchtet im Fall einer Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben den Ruin des Waisenhauses, benennt aber Kommissare und sendet das Kommissoriale. Berichtet, daß die Berufung Phil­ipp Müllers nach Jena doch ungewiß ist. Sendet Empfehlung eines Bediensteten für Carl Hildebrand von Canstein.

Uberlieferung

A: AFSt/H D 94: 109-110 D: Kramer, Beiträge, 453-454

Theurester Vater in dem Herrn,

Das Project der Vorschläge 2 habe ich dann nun dem Herrn Geh[eimen] R[ath] Stryck 3 übergeben, welcher dann verhoffentlich mit dem Herrn Dr. Fischern 4 darüber conferiren, und dann suchen wird, daß solche als Vor­schläge der Commission an S[eine] Churfürstliche Durchlaucht 3 gebracht werden. Es möchte wol gut seyn, wenn M[ein] th[eurester] V[ater] an Herrn Dr. Fischern schriebe, daß ich sie im Vertrauen communiciret, und wie man sie befunden, damit Sie hier kein bedencken haben, sie mit rechtem Nach­druck auffs tapet zu bringen. 6

Wegen der Stände postulati des Waysen=Hauses Einnahme u. Ausgabe betreffend 7 habe ich mit Herrn Dr. Fischern conferiret, welcher gäntzlich

3 mit<..(?)

1 Da Francke mit dem vorliegenden Brief auf Speners Schreiben vom 18.5.1700 (Brief Nr. 217) und von Cansteins Brief vom 19.5.1700 (s. Z. 62f und Anm. 26) reagiert und Spener bereits am 25.5.1700 erneut antwortet (Brief Nr. 220), läßt sich das Schreiben unter Berücksich­tigung der Posttage mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Samstag, 22.5.1700, datieren.

2 Spener hatte Francke das Universalprojekt (s. Brief Nr. 213, Anm. 4) nach Kenntnisnahme am 18.5.1700 zurückgesandt (s. Brief Nr. 217, Z. 3-9).

3 Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21).

4 Johann Fischer (s. Brief Nr. 116, Anm. 52).

5 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).

6 Der entsprechende Brief Speners an Fischer datiert vom 26.5.1700 (AFSt/H D 81: 863-865 [Abschrift]; vgl. Brief Nr. 220, Z. 2426). Darin betont er, daß Franckes ihm im Vertrauen zur Kenntnis gegebenes Projekt zweifellos gutgeheißen werde, wenn man es nach Beendigung der Kommission im Namen der Kommissare einreiche. Mit kurfürstlicher Autorität geltend gemacht, könne es den Ertrag von Fischers Bemühungen in Halle auf die ganze evangelische Kirche aus­dehnen (864f).

7 Forderung der Stände, die Rechnungen des Waisenhauses einer Kontrolle zu unterziehen, vom 24.3.1700 (s. Brief Nr. 201, Anm. 7).