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Nr. 224 Pli.J. Später au A.H. Francke 21.8.1700

Nechst treuer erlaßung in Gottes h. obhut deßen und gantzen lieben hauses verharre

Meines Hochgeehrten Herrn Gevfattern] und gel[iebten] Bruders zu gebet u. liebe williger

Phfilipp] Jfacob] Spener D. Mppria.

Berlin den 21. Aug. 1700

Es ist klage eingekommen von dem frantz[ösischen] consistorio 17 über einen Stud[enten] von Montbeliard' 8 , den sie einer gemeinde von 30 a 35 personen predigend angetroffen. 19 Es gibt viel auffsehens, und wolte ich nicht gern, das auch auff andere der unsrigen mit schuld käme.

Herr von der Lühe 20 hat wider 20 thaler schicken laßen, die durch Herrn von Canstein 21 übersenden will 22 .

A Monsieur Monsieur Franck professeur en Theologie et pasteur p. ä Halle.

32 Stud[enten] ] Theol.: D.

Haase (gest. Sept. 1693), geb. in Altenbrück, seit 1674 Buchdrucker in Frankfurt a.M. (Benzing, Drucker, 137; vgl. Spener, Frankfurter Briefe 1, 826).

17 Im Jahre 1694 war zur Errichtung eines zentralen Kirchenregiments für die französisch­reformierten Gemeinden in Brandenburg-Preußen eineCommission ecclesiastique" gegründet worden. Erst im Jahre 1701 entstand hieraus als kirchenleitende Behörde das französisch-refor- mierte Oberkonsistorium (vgl. Gabriel, 97).

18 David Nikolaus Berdot (gest. 1736), geb. in Mömpelgard; 1692 Studium in Tübingen, 1699 in Halle, zugleich Französischlehrer am Paedagogium Regium; 1704 Pfarrer in Rothau, 1708 in Hericourt, 1712 in Clairegoutte, 1722 in Tremoins, 1725 in Montbeliard, 1735 zugleich Super­intendent ebd. (Matrikel Halle, 27; Freyer, 696; Pfarrerbuch Elsaß, 51). - Francke erwähnt Berdots Disputation über den Titusbrief (D.N. Berdot, Exercitatio theologica exegetica in epistolam S. Pauli ad Titum [...], [Halle 1703]) in einer im Juni 1703 abgefaßten Beschreibung der Situation in Halle bzw. Glaucha (AFSt/H D 43 a : 379); noch 1708 bestand zwischen Francke und Berdot brieflicher Kontakt (AFSt/H F 14: 333-336).

19 In ihren Schreiben vom 25.7., 31.7. und 4.8.1700 hatten sich die französisch-reformierten Hallenser Prediger Jean Vimielle (Prediger 1686-1705, vgl. Gabriel, 52), Pierre Augier (Prediger 1689-1701, vgl. Pfarrerbuch der KPS 1, 156) und Alexandre Coulez (Prediger 1689-1729, vgl. Pfarrerbuch KPS 2, 220) darüber beschwert, daß u.a. Berdot, der bei Francke wohne, in Pri­vathäusern - erwähnt wird das Haus Knorr - predige (AFSt/H B 64: 3 a/b u. D 84: 184-185. 189 [Abschriften]). In seiner Antwort vom 21.8.1700 an das Ministerium und die Altesten der französisch-reformierten Gemeinde in Halle verbot der Kurfürst die Zusammenkünfte nicht grundsätzlich, sondern gestattete, daß sie in den Häusern der Prediger und der Altesten gehalten werden dürften (AFSt/H D 84: 186 u. B 64: 3 d [Abschriften]). Zugleich wies er das Magdeburger Konsistorium an, über diese Bestimmung zu wachen und Erkundigungen über Berdot ein­zuziehen (AFSt/H D 84: 187f u. B 64: 3 C [Abschriften]). - Zum Fortgang der Angelegenheit s. Brief Nr. 225, Z. 23-29 und Anm. 22.

20 [Johann (?)] von der Lühe (s. Brief Nr. 84, Anm. 19).

21 Carl Hildebrand von Canstein (s. Brief Nr. 143, Anm. 1).

22 Ein entsprechender Vorgang wurde nicht ermittelt.