Pfui der Schande, daß man umb ein Stück brods und eine Hand voll
Gersten willen, wie Ezech. klagt, das wort des lebendigen Gottes
zu predigen sich unterstehet. Ich sage, wenn man einem auch gar
keine Besoldung geben wolte, und Gott sendete ihn, so müste er fort,
oder bekennen, das er keinen Glauben an Gott habe. Es were
fein, daß die Bauchdiener die Prophetische und Apostolische Art
das wort des Herrn ohne Absicht des irrdischen zu predigen und
zu verkündigen inter dona miraculosa, und einen solchen fidem,
der nicht sein Absehen aufs Zeitliche habe, und den Menschen doch
nicht in Stiche laße, ad fidem miraculosam Zehlten, damit sie
sich nur auf eine Art salvirten, weil es doch am tage ist, daß
es mit ihrem Dienst suchen gar anders aussehe, als wenn ein
Prophet oder Apostel predigen wollen. Geschiehet es aber umb
eigener Ehre willen, wie einer mir einsmahls bekande: Warumb
solte ich studiren, wenn ich nicht gedächte zu Ehren zu gelangen?
so ist eben so schändlich. denn was ist gräulicher, als da der
Sohn Gottes sein ministerium in der eußersten Schmach und
Knechts-Gestalt geführet, das wir damit prangen wollen?
Jüngst ward erzehlet, daß die Gemeine einem Prediger beweg-
lich zu Gemüthe geführet, daß er seine Kinder nicht in so prächtigen
kleidern möchte gehen laßen, so habe er geantwortet, man müste ja
wißen, daß ihr Vater kein dorff-Pfarherr were. da siehet man den
Greuel, der die welt nuhmero angefüllet hat, daß sich ein Superin-
tendent mehr einbildet, denn ein Pfarrer, der in der Stadt ist mehr, als der
aufm dorffe ist. Ein Doctor mehr als ein Magister, ein Magister mehr,
als der keinen gradum hat, u. s. w. das ist alles der Antichristische