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die zum Theil über hohe Gebirge und durch enge Schluchten auf gefährlichen Pfaden ging, wozu noch die ermattende Hitze kam. Endlich erreichten sie Seringapatam, die Residenz des mächtigen und stolzen Eroberers. Er schildert selbst seine Audienz bei demselben und die freundliche Auf­nahme, die er bei dem Despoten fand, der bei seiner Herrsch­sucht und bei seinem Stolze doch ein sehr kluger und gcistes- gewandter Mann war.

Als Schwach beim Abschiede zuletzt noch zu ihm sagte: Sie wundern sich vielleicht, wie ich, ein Diener Gottes, der nichts mit politischen Dingen zu thun hat, veranlaßt werden konnte, zu Ihnen zu kommen, und zwar mit einem Auftrage, der nicht eigentlich zu meinem Priesterbcruse gehört. Da man mir aber klar und deutlich gesagt hat, daß der einzige Grund meiner Reise die Erhaltung und Befestigung des Friedens sei, und da ich mehr als einmal Augenzeuge von dem Elende und den Schrecknissen war, welche der Krieg zu verbreiten pflegt, so dachte ich bei mir selbst, wie glücklich ich seyn würde, wenn ich ein Werkzeug werden dürste, ein festes Freundschaftsband zwischen beiden Regierun­gen zu knüpfen und auf diesem Wege die Segnungen des Friedens diesem Lande und seinen Einwohnern zu sichern. Dieß betrachtete ich als einen Auftrag, welcher mit meinem Berufe, ein Verkündiger der Religion des Friedens zu seyn, auf keinerlei Weise im Widerspruche steht." Da rief Hyder Ali, bewegt von seinen Worten, aus: Gut! sehr gut! auch ich theile dieselbe Ansicht, und mein einziger Wunsch ist, daß die Engländer im Frieden mit mir leben mögen.

So hatte Schwach die eigenthümliche und schwierige Mission, die ihm aufgetragen worden war, zur Zufrieden­heit des Gouverneurs vollendet und das auf ihn gesetzte Vertrauen vollkommen gerechtfertigt. Er hatte durch sein Benehmen und seine ganze Erscheinung sich die Achtung des stolzen Herrschers gewonnen, und an ihm lag es wenigstens nicht, wenn der Erfolg seiner Sendung später der Erwartung nicht entsprach; die Engländer selbst waren zum Theil durch ihr Verfahren Schuld, daß dieß nicht geschah, was Schwach selbst in einigen Briefen andeutet. Einen neuen in die Augen fallenden Beweis seiner großen Uneigennützigkcit gab er bei dieser Gelegenheit dadurch, daß er das ansehnliche Geldgeschenk, was ihm Hyder Ali halte zustellen lassen und