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morgenden Tag nicht mehr sähet; darum thut heute Buße. Dann werdet auch Ihr, wie Lot, auf dem Berge ruhend, in Sicherheit die Flammen sah, von den Höhen des Him­mels herab furchtlos den Untergang der Welt schauen."

Die Bewegung, mit der er diese Worte sprach, ließ ihn zwar nicht augenblicklich die Schwache seiner Brust em­pfinden; aber wohl fühlte er sich nachher sehr angegriffen, und er mußte, um seine Gesundheit zu schonen, so schwer er auch daran ging, eine Zeit lang es aufgeben, unter freiem Himmel vor der versammelten Menge zu sprechen; doch ließ er sich nicht bewegen, es ganz zu unterlassen so eifrig und seiner eignen körperlichen Schwache nicht ach­tend, trieb er das Werk des Herrn und glaubte, es sey sein Beruf, auch das Leben, wenn es seyn müsse, ihm zu opfern.

So wohlgelungen im Ganzen die von ihm besorgte hindostanische Uebersetzung der heiligen Schrift war, so wenig genügte Kennern die ebenfalls unter seiner Leitung verfer­tigte Uebersetzung ins Persische hinsichtlich ihrer Verständ­lichkeit für die große Menge, für welche sie hauptsächlich bestimmt seyn sollte. Sie erklärten sie deshalb für unge­eignet zur allgemeinen Verbreitung, was doch Martyns lebhaftester Wunsch war. Dieß hauptsächlich erregte in ihm das Verlangen, selbst nach Persien und Arabien zu gehen, um die schon vollendete persische Uebersetzung und zugleich die Uebersetzung ins Arabische, die ebenfalls der Vollendung nahe war, einer nochmaligen genauen Durchsicht eingeborner kundiger Manner zu unterwerfen und das Fehler­hafte zu verbessern.

Nachdem er Gott vor Allem die Sache im Gebet an­heimgestellt, beschloß er, seine ersahrnen und bewährten ältern Freunde darüber zu Rathe zu ziehen und ihrer Ent­scheidung es zu überlassen. Sie mochten seinem Verlangen, das aus einem so reinen Quell entsprang, nicht widerstreben, und so verließ er, körperlich schwach, aber geistig stark und voll brennender Begier, auch den Persern und Arabern das Evangelium zu predigen und die heiligen Schriften unter ihnen zu verbreiten, den Ort, wo er bisher mit großer Anstrengung und mit sichtbarem Segen gewirkt hatte. Als er zum letzten Mal vor seiner bisherigen Gemeinde auftrat, begann er mit schwacher Stimme; aber seine Kraft hob sich, so wie er weiter sprach, und zuletzt erschien er wie