es aber selbst nicht erfahren hat, komt es gleich für, als wenn man
einem Blinden von allerhand Farben sagte.
11.) Ich kan nicht umhin, denso ich gedencke, daß ich gedencke, wie mir
ist zu Muthe gewesen, da ich nach allen vorgemeldeten Begebenheiten, das
lste mal zum H. Abdml. gegangen bin, da entstund in mir eine innigl[iche]e
Freude, ein Jauchzen, eine große Begierde Gott zu dienen; doch nicht
allein das, sondern es machte mir auch eine große Begierde u. Muth
wider die Sünde zu streiten u. zu kämpfen, u. ferner fort zu wandeln
da hies es bey mir, schmecket u. sehet wie freundl. der Herr ist.
Aber anders verhielt es sich mit mir bey dem seitherigen Ab[end]mal
gehen, wenn ich mich prüfe nach dem Wort Gottes, u. beschaue mich
in den Spiegel der H. X. Gebothe, so finde ich bey einem jeden Geboth einen
so großen Mangel, daß ich erschrecken muß, jedoch aber weis u. glau-
be ich wol, aber mit einem Glauben: der, so sehr klein u. schwach ist, daß
mein Erlöser J. C. zu dem Ende in die Welt kommen ist, die Sünder selig
zu machen, unter welchen ich der Vornehmste bin, wie er auch mir ist ge-
macht von Gott zur Weisheit zur Gerichtigkeit, zur Heiligung u. zur Erlö-
sung 1 Cor. 1, 30. Eine Erfüllung und Erstattung alles meines Mangels,
indem wir unmögl. war zu erfüllen, das, was das Gesetz von mir forderte,
einen willigen innerl[ich]en heil. Gehorsam: das nun zu leisten, dazu sind mir
meine Kräfte durch den Fall Adam erschöpft, ja gar untergegangen; da
trat J. C. her an unsrer aller statt, u. erfüllete allen Mangel. Wohl
dem, der Glauben hat, das zu faßen u. zu ergreifen. Ich meines theils
mus gestehen, daß ich hierin den größten Mangel finde, u. mir zu
keiner Zeit, nichts so großen Schaden thut, als das abscheul[ich]e Teuflische La-
ster des Unglaubens. O Unglaube! Du Quell aller Sünden. O! Herr stär-
cke