An Herrn Lemke zu WohlEhrwürdiger,
Ebenezer. im HErrn hertzlich geliebter Bruder.
den 27 Jul. 1746.
 
Ich habe mich hertzlich über die er durch Herrn Dries-
ler zu Friederica und aus den vor kurtzem
erhaltenen eingelaufenen Briefen des werthen Herrn Pastors Bolzii, erhalte-
ne Nachricht von Ihrer glücklichen Ankunft in Ebenezer
gefreuet und Gott insonderheit für die Abwendung
mancher grossen Gefahr innig gelobet. Sie ha-
ben nun freylich manches erfahren, we so Ihnen
fürchterlich gewesen seyn kan : ich zweifele aber
nicht, es Sie werden dergleichen Ihnen zu einem desto
mehreren Antrieb zum Gebet gebrauchet haben.
Wenn man so mancherley Noth vor Augen sie-
het, so gehet ja wohl in einem Hertzen, das
sonsten doch aufrichtig ist, mancherley Kampf
vor, darinnen auch alle bisherige Tr acedia
aufgedeckt
manches aufgedeckt wird, so ei-
nem zur Demüthigung vor Gott gereichen kan,
welches denn gar selig ist und zu einer kräftigen
Aufweckung aus aller Trägheit, die uns ar-
men //Menschen// ja leider immer anklebt, dienet. Wenn
Sie denn auch aus denen ausgestandenen Prüfungen
//und Gefahren// den Nutzen gehabt, zu einer mehreren Brün-
stigkeit und Ernst angetrieben zu seyn, und
aus der mercklichen Hülfe und Erweckung des HErrn
ein desto vesteres Vertrauen zu ihm bey sich
zu befinden : so werden Sie wohl nicht leicht
bereuen dieselbe ausgestanden zu haben, son-
dern Gott dafür hertzlich preisen. Nun Gott
wolle Sie denn auch zu Ihrem seligen und wich-
tigen Beruf unter den lieben Saltzburgern
immer tüchtiger machen und Ihnen insonder-
heit nur wahre Treue, vor allen Dingen
aber eine reiches Maaß des Geistes des Gebe-
tes, so wie derselbe auf dem seligen Herrn Gronau
geruhet, schencken und also Sie zu wahrem