Doch kan nicht geläugnet werden, daß auch die guten Seelen unter
uns von Gott aus der Erfahrung mit freudigen Hertzen rühmen
können, was am Ende der vergangenen Sontags Epistel stehet:
1 Cor 10. Und sind also mit Gottes Wegen zufrieden, klagen
eigentlich nicht, wozu sie auch gar nicht geneigt sind, sondern
auf Befragen zeigen sie ihre Noth mit einem gelaßenen
und zufriedenen Hertzen an. Diese Sache ist uns eine Materie
zur Ubung des Gebets. Ich dancke meinem Gott daß er
mich nach EbenEzer gebracht, wo ich die schönste Gelegenheit
ad praxin christianismi habe. Gute Tage nach dem
Fleisch habe hier nicht gefunden, welche mir wol vieleicht zum
großen Schaden meiner Seele würden gereichet haben, darum
ich sie auch nicht begehre, aber desto beßer ist es für meine Seele
gewesen. Das leibliche ficht mich auch wenig an, wenn mir
nur der gütige Gott von Zeit zu Zeit so viel nach seinem
Wohlgefallen beschehret, daß ich ohne Schulden bleibe, welche
man in diesem Lande vielmahls aus Noth machen muß,
so bin ich und die lieben Meinigen gerne zufrieden. Was
mir aber das gröste Leiden in der Seele macht ist die Sünde,
die mannigfaltigen Fehler, so ich täglich gewahr werde, meine
Untüchtigkeit zum Guten, meine Unbrauchbarkeit zu des
Nächsten Besten, die Unbußfertigkeit verschiedener Glieder