EbenEzer den 15 Decembr 1748
 
Hochwürdiger Hochgelahrter
In unserm Heylande Theuergeschätzter Herr Doctor,
 
 
Gelobet sey Gott, der mich durch Euer Hochwürden theuern Brief
von 13 Jul. a.c. in der gegenwärtigen gesegneten Advents-Zeit
erfreuet und ermuntert hat, er wird es Denenselben vergelten, daß
Sie sich um einen solchen arm Wurm, so viel Mühe machen. Es sind
Dero Briefe durch Gottes Gnade meiner Seelen allezeit sehr gesegnet
und wünsch ich wol von Hertzen solches Segens, wenn ich länger leben solte,
auch noch länger zu genießen, welches mich denn unter andern wichtigen
Ursachen beweget, den allmächtigen und barmhertzigen Gott um
Dero Erhaltung und Stärckung anzuruffen, sonderlich da mich derselbe
von der, Sie offt überfallenden Schwachheit des Leibes, unterweilen
etwas vernehmen läßet; dis ist uns eine wichtige Materie der
demüthigen und gläubigen Fürbitte, zu der wir uns unter göttlichen
Beystand täglich billig zu erwecken pflegen. Mein vornehmster Ver-
langen an Gott ist daher mit dieses, daß er mir zum Gebet und Für-
bitte ein reiches Maaß des heiligen Geistes geben wolle, damit ich
diese so gesegnete Christen-Pflicht nach den Willen Gottes üben könte.
Denn da er mir von Zeit zu Zeit die vortrefflichen Wohlthaten, so von
meinen und unsern Vätern, Freunden und Gönnern, und insonderheit von
Euer Hochwürden in den Waysenhause, auf der Universität und folgen-
der Zeit bis hierher empfangen habe, immer größer zu erkennen giebt,
auch wie alles zu meinen wahren Heil abgeziehlet gewesen, so wolte ich
 
Herrn Doctor Francke