Praes. den 7ten Jul.
EbenEzer den 16 Febr 1750
 
 
Hochwürdiger und Hochgelahrter
In dem HErrn Jesu Theuerster Herr Doctor,
 
 
 
Bald im Anfang dieses Jahres erfreuete mich der gütige
Gott mit einem gesegneten Schreiben von Eurer Hochwürden
väterlichen Hertzen welches den 25 Aug. a. p. datiret
war, wofür ich von Hertzen dancke. Wir haben es für
ein gutes Zeichen der zu erwartenden treuen Vorsorge Gottes
über uns in diesem Jahre angesehen, daß uns gleich beym An-
tritt deßelben so erbauliche und Trostvolle Briefe zu
Händen kommen sind, denn es sind uns die Briefe von unsern
Vätern und Freunden allemal eine recht große Wohlthat,
und warum solten wir, da wir dieser Wohlthat zu einer solchen
Zeit theilhafftig gemacht sind, dieselbe uns nicht der HE zur
Erweckung der Hoffnung zu Gott dienen laßen, er werde
uns auch in den angefangenen Jahr die Fußstapfen seiner
gnädigen Vorsorge sehen laßen? Und Gott lob! Zum Preise
des HErrn können wir bezeugen, daß wir unsere Hoffnung schon
offt erfüllt gesehen. Ist auch kein Zweiffel, wo wir auf unserer
Seite Treue in dem Gebrauch des guten, so uns zu Theil wird,
beweisen; wir werden auch künfftig sagen können: der HErr
hat großes an uns gethan. Wünsche nur an meinem Theil immer
geringer zu werden in meinem Augen, damit Gott und seiner Wercke
mir desto größer seyn mögen. Es ist wol ein Irrthum, wenn
man die Armuth des Geistes sich als eine bloße Pflicht gegen
Gott vorstellt, da sie vielmehr zur Treue, die man seiner eigenen
Seele schuldig ist, gehöret, oder zu der Ordnung, in welcher man
der Gnade Gottes fähig ist. Mit Vergnügen erinnere mich alle-
mal bey dieser Materie deßen, was der theure Herr HoffPre-
diger Ziegenhagen einsten in meinem Beyseyn über Matth. 18,3
 
Herrn Doct. Francke