2 Cor. I. 10, 11.
In unserm Erbarmer sehr theurer Herr Professor,

Ew. HochEhrwürden werden hoffentl. diejenigen Briefe vom 6. Jan. st. v., darinn
von unserm Zustande und Abreise aus Dover Nachricht gegeben worden, richtig
empfangen haben. Der liebe Vater im Himmel sey demüthig gelobet, daß er
uns nun würdiget, von unserer Ankunfft in America nach unserm Ver-
langen und Schuldigkeit etwas zu melden. O was haben wir vor einen
guten Gott, der sich nicht nur in s. Worte als gütig, treu und barmhertzig
den M[enschen] offenbahrt sondern als einen solchen beweiset er sich auch bey allen
denen, die ihn fürchten und anruffen. Da wir nunmehr vor 20 Wochen aus
Halle ausreiseten, ließ uns Gott die Worte Jes. 49 X.10 gar sonderbahr
ins Gemüthe dringen: Ihr Erbarmer wird sie führen; und nun können
wir gleichsam mit vollem Halse denen, die wir in Europa zurück
gelaßen, aus America entgegen ruffen: Unser Erbarmer hat uns
geführet und zugleich unser Hertz voll Glauben und Zuversicht gemacht.
er werde uns noch ferner, auch in dem fremden Lande unter Christen
und Heyden wohl führen. Helffen Sie uns nun alle den wunder-
bahren und Erbarmungs-vollen Gott preisen, da Sie uns vorher (wel-
ches wir öfters empfunden) beten helffen, denn der Herr hat Großes
an uns und unsern Zuhörern gethan. Dem Leibe nach sind nicht nur
wir beyde sondern auch alle Glieder unserer Gemeinde in Gesundheit
in America angekommen: Und ist es uns gleich nicht allemahl
gegangen, wie es Fleisch u. Blut haben wil, und es auch offt
die Nothwendigkeit erfordert hätte; so hat doch auch der äuserliche
Mangel zur Förderung in vielem Guten dienen müßen: u[nd was
aus Schuld des Capitains dem äußern Menschen an Pflege- und Bequem-
ligkeit abgegangen, hat der treue Vater an der Seelen reichlich er-
setzt. Er hätte uns in diesem Leben, (wie uns dünckt) keine
größ[er]e Wohlthat erzeigen können, als daß er uns zu Schiffe gehen
heißen, indem er uns auf demselben in s. Schule genommen, u. uns