da nemlich ein iedweder Gast zu demienigen, der tractiret eine Schüßel mit
einem Gerichte mitbringet. Einen solchen Picquenick fing er mit denen
Vornehmsten hiesiger Stadt bald nach seiner Ankunfft an. Anfangs war
bey einigen eine gute Intention, indem man allezeit etwas zur Stadt und Landes
besten darbey verabreden wolte, welches aber nicht über 3mahl geschehen ist: die
Sache aber gerieth bald zu einer Unmaßigkeit in Eßen und Weintrinken. Daher
beym Uberhandnehmen der Sache, so fast tägl. solche Schmausereyen waren, sonderl.
Herr Pastor Göring sein Mißfallen offentlich und besonders darüber bezeugete
und einen schlechten Ausgang prognosticirte, wie geschehen. Denn es hatte endl.
die offene Vorstellung den Effect, daß der Herr von Osten auf eine Mäßigung bey
der Sache bedacht war. Zu dem Ende ließ er folgenden Zettul drucken und schickte
denselben an alle Interessenten solches picquenicks am 19den Febr., darauf
diese Verße sich befanden:
Ich edler Herr vom Picquenick
Wünsch euch viel Segen und viel Glück
Ich will wol, daß ihr frölich seyd
In guter Zucht und Ehrbarkeit
der Uberfluß von Speiß und Tranck
Machet den Leib und Beutel kranck.
Nur denket stets an diese Lehr
daß niemand fluche, niemand schwehr
Den Nächsten schont, verleumdet nicht
Habt gut Acht auf der Christen Pflicht
Gott fürchtet, euren König ehrt
So seyd ihr aller Ehren wehrt.
Hic et hoc, een Ofen Gabel
Richt die nâm Büddl un nich nâm Schnabel.
Dieser Mischmasch von Versen ward iedweden zugestellet, der den Picquenick
mithielt. An demselbigen Tage waren sämtliche Glieder des Picquenicks
zusammen zu Gaste beym Herrn von Osten, und unter denen auch einer
der Vomehmsten, der Obriste Schönbeck, welcher vorher schon bey denen Ab-
schieds visiten ziemlich Wein mochte getruncken haben. Denn er war
willens des folgenden Tages, nemlich den 20ten seinem Regiment, welches
einige Zeit vorher nach Wesel marchiret war, zu folgen. Diß war also
des Obristen Valet. Bey dem Schmause ging es maßiger zu, als vorher ge-
wohnlich war, und trunck ein ieder nach Belieben. Nach geendigten Schmauß
gegen Abend invitirte eine der anwesenden Dames eine leichtfertige Wittbe,
die Räthin Meyern (welche auch ietzo den Herrn Dom Dechanten von Hammerstein,
der ehemals in Paedagogio gewesen, eingenommen hat und verderbet), insbeson-
dere den Herrn Obristen, dann auch andere anwesende zu sich auf einen Coffee
wohin sich denn nebst den Herrn Obristen und Oberlanddrosten einige andere ver-
fügeten. Nach eingenommenem Coffee, spielete man bei ein Tobaks Pfeiff im Bret
more hic solennissimo, ut turpissimo, womit bis gegen 9 Uhr continuiret
ward; da erst der Herr von Osten nach Hause eilete, darauf der Herr Obriste folgete,
da aber weder seine Kutsche, noch sein Diener gleich da war‚ wie er es bestellet
hatte, alterirte er sich, und da der Diener kam schlug er denselben ein paarmal
mit dem Rohr; inmittelst kam der Kutscher; und er fuhr nach seinen Quartier.