Was Sie uns aus eigener Erfahrung unterm 15 Jan. von dem Verhalten
der meisten Kinder bey aller an Ihnen gethaner Arbeit melden, ge-
reichet uns u. unsern redlichen Waysen-Vater u. Mutter, wie auch
der rechtschaffnen Schweighofferin zum Trost, u. soll uns darzu die-
nen, unermüdl. an unsern Lämmern fort zu arbeiten, u. uns den
Muth nicht nehmen zu laßen, wenn man gleich nicht allemahlen
den Effect des Worts u. der guten Vorstellungen gewahr wird,
den man sich wünschte. Der liebe Gott stärckt die
beyden lieben vorgesetzten im Waysenhause gar mercklich, u. werden
sie immer Brauchbahrer. Sie sind im Gebet gantz unermüdet
u. haben es überaus gern, wenn man sie hier u. dar zu rechte
weißt, u. mit guten Rath an die Hand gehet. Es giebt ietzt
etliche Patienten im Waysenhause, denen Gott an Seel u. Leib
viel Gutes erzeiget. Herr Thilo geht noch immer die alten Wege: da
er sich in Ansehung seines Beruffs vor einiger Zeit etwas zu beßern
anfieng, so läßt er schon wieder sehr nach u. hört man viel Klagen
von Versäumniß s. Amts, wovon ich aus meinem Hause aus eigener
Erfahrung zeugen kan. Ich habe ihm des Herrn Professoris Brief selbst
übergeben, den er, wie die Helffensteinin gegen mich selbst geste-
hen muste, der Helffensteinin u. ihrer Tochter vorgelesen, seit dem
aber weder zu mir noch meinem lieben Collegen kommen ist.
Ich lege abermahl einen Aufsatz deßen bey, was mit ihm vor u. gleich
nach Pfingsten vorgegangen ist. Der liebe Gott bringe ihn doch zu rechte,
damit er uns u. andern nutzbahr werde, u. die vielen Unkosten nicht
vergeblich auf ihn mögen gewandt worden seyn. Bisher ist er durch
nichts zu gewinnen gewesen. Wir haben ihn schon auf manchen
Unwahrheiten ertapt, woraus er sich aber wohl nicht viel machen
wird. Es wird gesagt, daß sie mit einander, Herr Thilo, die
Helffensteinin u. ihre Tochter, im Herbst, wenn sie ihre Früchte wer-
den eingeerndtet haben, fortziehen wollen, welches auch wohl
mehr als wahrscheinlich ist. Sanfftleben hat diejenige Schwester,
um welcher willen er eigentlich nach Schlesien gereiset ist, nicht
persuadiren können, mit ihm zu reisen, der unbekehrte Prediger
daselbst hat ihr mancherley Wiedriges ins Gemüthe gesetzt. Die ietzige
hat gar einen harten Sinn, u. hat ihm auf der Reise viel
Kummer u. Unruhe gemacht, wie auch noch geschiehet. Gott bringe