adeliche Familie Hinter-Pommerns zu gehen. Der Entschluß war sogleich ge-
faßt, wie wenn er schon Jahre lang gereift hätte. Ich reiste im Junius 1815
an den Ort meiner einstweiligen Bestimmung nach Zimmerhaußen bey Plathe,
u. lebte da ein Jahr, gewiß das wichtigste, folgenreichste meines Lebens. Vie-
les, was ich früher nur dunkel geahndet hatte, ward mir hier klarer und end-
lich zur Gewißheit; an meiner achtungswürdigen Frau Prinzipalinn (der Herr
des Hauses war todt) fand ich eine geistvolle Dame, voll tiefen religiösen Gefühls.
ich ward von ihr als einer wahren mütterlichen Freundinn aufgenommen und be-
handelt, und indem ich mich bemühte als Lehrer ihrer Kinder ihrem Hause nütz-
lich zu werden, wurde sie meine Lehrerinn im reinsten höchsten Sinne des Wor-
tes. Ich verdanke ihr unendlich viel, ich könnte sagen, ohne ungerecht zu seyn gegen
andere, die auch aktiv auf mich wirkten, ich verdanke ihr alles, das eigentlich
Wahre, das Höhere, innere Leben, das mir wahres Heil schafft, und zum Ziele
unsers Daseyns, zur Vereinigung mit Gott u. Jesu führt. Zeit und Umstände,
heitern u. trübe Stunden thaten auch das Ihrige, und meine wahre Bestim-
mung wurde mir immer gegenwärtiger u. klarer. Indeß sollte ich hier noch
nicht die Vollendung sehen. Mein Schicksal führte mich nach Mecklenburg-Schwerin
abermals in ein vortreffliches Haus, zum Herrn von Saldern auf Großen-
Plasten, dessen beyde ältern Söhne bereits seit einigen Jahren auf dem
Königlichen Pädagogium unter Ihrer Direktion sich befinden. Hier bin ich
nun seit Anfange des Julius dieses Jahres.
Die Welt, das menschliche Leben hatte sich mir, seit ich mehr thätig in das-
selbe eingetreten war, mehr und mehr entfaltet, meine Ansichten über
dasselbe fiengen an sich einigermaßen zu berichtigen, meine Auforderungen
u. Hoffnungen hatten mich endlich zurückgebracht zum Frieden mit mir selbst
und der Welt. Ich fühlte mich unglücklich, u. konnte das bunte Gewühl des
irdischen Lebens nicht verstehen, sahe es mit Unzufriedenheit oft mit Ver-
achtung an, so lange ich mir selbst, durch eigene Kraft meine Ruhe, meinen
Frieden schaffen wollte; die starke Hand, die das menschliche Leben leitet;
schlug mir heilsame Wunden, an denen sich meine Eitelkeit und Selbstsucht
verblutete, und nach Jahre langer Verirrung kam ich auf die Bahn, die alleine
zum wahren Glücke führt, ich lernte erkennen, daß wahrer Friede nur
von oben kommen, u. daß er sich nur denen darbiete, die der wahren
Freyheit genießen von sich u. der Welt, die ihr Leben nur in dem finden,
der ewiges Heil geben kann allen, die ihn suchen. Mein Inneres hat sich mir