ein vornehmer und gelehrter Mann
zu werden, reich zu werden und in guten
Tagen zu leben wäre mir auch nicht un-
angenehm gewesen, ob ich wol das ansehn
nicht hätte haben wollen, als wenn ich
darnach trachtete. Die anschläge mei-
nes hertzens waren eitel, und gingen
auffs zukünfftige, welches ich nicht in
meinen händen hatte. Ich war mehr
bemühet Menschen zu gefallen,
und mich in ihre Gunst zu setzen, als dem
lebendigen Gott im himmel. Auch im
äusserlichen stellete ich mich der welt
gleich, in überflüssiger kleidung und
andern Eitelkeiten. In Summa: ich
war innerlich und äusserlich ein
welt Mensch, und hatte im bösen
nicht ab, sondern zugenommen. Das
wissen hatte sich wohl vermehret, aber
dadurch war ich immer mehr auff-
geblehet. Über Gott hab ich wol
keine Ursache mich dißfalls zu be-
klagen. Denn Gott unterliesse nicht
mein Gewissen offtmahls gar kräfftig
zu rühren, und mich durhc sein wort
zur busse zu ruffen. Ich war wol
überzeuget, daß ich nicht im rechten
zustande wäre. Ich warff mich auch
offt nieder auff meine knie, und ge-
lobete Gott eine besserung. Aber der
ausgang bewieß, daß es nur eine flie-