1. August Hermann Franckes Lebenslauf [1690/91]

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allerdings in einer unzureichenden Form und unter einem unzutreffenden Titel, her­ausgegeben worden (A. H. Francke, I, S.5 36; Beiträge, S.2855; zur Kritik vgl. Stahl, a. a.O., S. lff., 22). Das Konzept ist, besonders auf den ersten Seiten, von Francke überarbeitet worden. Wir legen im folgenden die Endfassung vor, notieren aber in den Anmerkungen alle wichtigen Änderungen. Kleinere stilistische Verbesse­rungen Franckes werden nicht besonders gekennzeichnet. Der Abdruck erfolgt orthographisch genau, vielfach ist jedoch keine klare Entscheidung über die Groß- bzw. Kleinschreibung der Anfangsbuchstaben zu treffen. In Zweifelsfällen haben wir die Kleinschreibung bevorzugt.

Zur Interpretation des Berichtes vgl. außer der bereits genannten Literatur: A. Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. II, Bonn 1884, S.250ff.; W. Wendland, Die pietistische Bekehrung, ZKG 38, 1920, S. 193238; K. Aland, Bemerkungen zu August Herrmann Francke und seinem Bekehrungserlebnis, in: Kirchengeschicht­liche Entwürfe, Gütersloh 1960, S.543ff.; H. Weigelt, Pietismus-Studien, I. Teil, Stuttgart 1965, S.46ff.; E. Peschke, Die Bedeutung der Mystik für die Bekehrung August Hermann Franckes, ThLZ 1966, Sp. 881 ff. Zur Ergänzung sind heranzuziehen die von Francke in späterer Zeit (1724ff. ?) gesammeltenLebensnachrichten (Kramer, Beiträge, S.5679; vgl. AFSt A 136), diePersonalia im Anhang zur Leichenpredigt (Epicedia, 1727; vgl. AFSt A 136) und die von G. A. Francke 1727/28 zusammengestellten Lebenserinnerungen (vgl. G. C. Knapp, Beyträge zur Lebens­geschichte Aug. Herrn. Frankens aus ungedruckten Nachrichten, in: Frankens Stiftungen, Bd. II, 1794, S. 416 ff.).

(203) [H. M, August Hermann Franckens vormahls Diaconi zu Erffurt,

und nach dem er daselbst höchst unrechtmäßigst dimittiret, zu Hall in Sachsen Churf. Brandenburg. Prof. Hebraeae Lingvae, und in der Vorstadt Glaucha Pastoris Lebenslauff.]

(205 a ) Gott hat mich an diese weit lassen gebohren werden in der Stadt Lübeck Anno 1663 den 12 Martii. 1 Mein Vater ist gewesen Johannes Francke, 2 Beyder Rech­ten Doctor, und weyland J. Fürstl. Durchl. zu Sachsen Gotha, Ernesti Pii, 3 Hoff­und Justitien Raht, eines Beckers von Lübeck, Johann Franckens , 4 eheleiblicher Sohn. Meine Mutter, welche mir Gott bißanhero erhalten, ist Anna Franckin , 5

1 Die Angaben über das Geburtsdatum variieren, da die gregorianische Kalenderreform noch nicht allgemein durchgeführt worden war. Der hier genannte 12. März entspricht dem 22. März des gregorianischen Kalenders. Francke selbst hat später mehrmals auf Grund einer fehlerhaften Berechnung den 23. März als seinen Geburtstag angegeben (vgl. Kramer, A. H. Francke, I, S.5, Anm. 1).

2 Johannes Francke (16251670), Doktor des kanonischen und des römischen Rechts, zunächst Jurist in Ratzeburg und Lübeck, seit 1666 Hof- und Justizrat in Gotha (vgl. Kramer, Beiträge, S.lff., 17ff.).

3 Ernst der Fromme (16011675), seit 1640 regierender Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg, stand im Mittelpunkt der damaligen Reformbewegungen auf kirchlichem und staatlichem Gebiet in Deutschland.

1 Hans Francke (15871650), aus Heldra in Thüringen, seit 1617 Bäcker in Lübeck, ver­heiratet mit Elsabe Wessel (vgl. Sellschopp, a.a.O., S.7ff.).

5 Anna Francke (16351709), Tochter David Gloxins, heiratete 1651 Johannes Francke. Sie lebte nach dem Tode ihres Mannes weiter in Gotha (vgl. Kramer, Beiträge, S. 24 ff.).

2 Peschke, Francke-Werke