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I. Biographisches

gebohrne Gloxinin, David Gloxins 6 Kays. Rabts und ält. Bürgermeisters zu Lübeck, eheleibliche Tochter. Diese meine liebe Eltern haben mich bald nach meiner leib­lichen Gebührt zur h. Tauffe als zum Bad der wiedergebuhrt befördert, 7 auch da ich im dritten Jahr meines alters mit Ihnen und den übrigen Geschwistern von Lübeck nacher Gotha kommen, 8 mich gar zeitig zur Schulen gehalten, und da anfänglich wegen zarter Kindheit, und darnach wegen anderer Umstände es sich mit der öffent­lichen Schule nicht schicken wollen, mir mehrentheils zu Hause, theils aber auch ausserhalb Hauses privat Praeceptores gehalten. 9 Gott hat mir eine Liebe zum (205 b ) wort Gottes, und insonderheit zum h. Predig amt von Kindes Beinen an ins Hertz gesencket, daß sich solches in äusserlichen Bezeigungen vielfältig herfürgethan, und also auch meine Eltern beyderseits, so viel mir wissend, nie einen andern Sinn gefasset, als mich dem Studio Theologico zu widmen. Von meinem vater wurde ich auch in solchem Sinn fleissig erhalten, dazu die genaue auffsicht bey seinen Lebzeiten nicht wenig thäte. 10 Da er aber Anno 1670 Todes verblichen, * 11 wurde ich zugleich mit andern Kindern von privat Praeceptoribus einige Jahre unterrichtet, welche ob wol kleine Gesellschafft und tägliche conversation ausserhalb Hauses, meinem Ge- müthe, wie ich nach der zeit wol erkant, nicht wenig Schaden verursachte, und es durch die vermeynte zulässige, aber ohne genaue auffsicht nie in den Schrancken bleibende, Kinder Lust, gar sehr von Gott abgewendet, biß ich in meinem Ilten biß 12 Jahr, so viel ich mich erinnere, 12 da ich wieder unter eigener Praeceptorum privat auffsicht lebte, auffs neue erwecket ward 13 durch ein gar schönes exempel meiner recht christlichen und Gottliebenden nunmehr in Gott ruhenden und seeligen Schwester Anna Franckin, welches ich täglich für äugen hatte, und ihre ungeheu- chelte Furcht Gottes, Glauben, Liebe, Demuht, Lust und Liebe zum wort Gottes,

6 David Gloxin (15971671), Syndikus des Lübecker Rates und des Hanseatischen Bundes, seit 1666 leitender Bürgermeister Lübecks. Verheiratet mit Anna Schabbel, Tochter des Wismarer Bürgermeisters Jakob Schabbel (vgl. Kramer, Beiträge, S.4ff.; Sellschopp, a. a. 0., S.66).

7 Die Taufe fand am Sonntag Reminiscere, dem 15./25. März 1663, in der St.-Ägidien- Kirche statt (vgl. Sellschopp, a.a.O., S.17, Anm.2, S.25f., Anm.5).

8 Der Vater trat sein Amt um Pfingsten 1666 an (vgl. Kramer, Beiträge, S.21). Zu den Ge­schwistern Franckes vgl.Lebensnachrichten, a.a.O., S.56; Sellschopp, a.a.O., S.24ff.

9mir mehrentheils... gehalten: Verbesserung am Rande. Dafür stand ursprünglich im laufenden Text:mir zu Hause Praeceptores gehalten, welches auch meine Mutter, da ich im siebenden Jahr meines alters meinen Vater verlohren, also fortgesetzet hat, und so viel mit Beyrathen guter Freunde und Gönner geschehen können, ihres Orts nicht gerne etwas an guter aufferziehung ermangeln lassen.

10 Zu den Freunden des Hauses, die nach dem Tode des Vaters auf die Erziehung Franckes Einfluß genommen haben (vgl. Anm.9), gehörten wahrscheinlich u. a. der berühmte Orienta­list Hiob Ludolf (vgl. vorl. Ausg., S. 62), Wilhelm Verpoorten (16311686), seit 1668 Kirchen­rat und Schulinspektor in Gotha, seit 1672 Generalsuperintendent und Professor in Koburg, und Adam Tribbechow (16411687), Erzieher im Hause David Gloxins, 1672 Nachfolger Verpoortens in Gotha, seit 1677 Generalsuperintendent daselbst (vgl. Sellschopp, a.a.O., S. 107).

11 Das Datum wurde eingefügt, die letzte Ziffer ist nicht eindeutig zu lesen (1 oder 0). Der Vater starb am 30. April 1670 (vgl. Kramer, Beiträge, S. 29).

12 Nach späteren Angaben 1673 (vgl. Lebensnachrichten, a.a.O., S.57).

13Von meinem Vater... erwecket ward: Zusatz am Rande. In der ersten Fassung fehlt der negative Akzent. Der ursprüngliche Text lautete:Im Ilten biß 12ten Jahr meines alters hat sich solches insonderheit nachtrücklich herfür gethan. Denn da erweckte mich Gott sonderlich.