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I. Biographisches

Königs theol. positivam, 84 welches zugleich disputatorium war, und sein absehen auff die gantze theologiam systematicam hatte; 85 desgleichen hielte ich auch mich zu dem so genanten Großen-Prediger collegio und Collegio Oratorio, so unter denen Magistris von vielen Jahren her in Leipzig gehalten werden. 86 Ich hielte auch Collegia Concionatoria bey Hn. D. Joh. Benedicto Carpzovio, 87 erstlich welches er des Mit- wochens vielen andern hielte, darnach selb 4te des Freytags, ( 216 a ) da allemahl einer predigte, und H. D. Carpzovius die Predigt nach denen Praeceptis homileticis censirte. 88 Theoriam praeceptorum hatte in einem Collegio homiletico bey Hn. M. Dornfeld, Diacono an der Niclas Kirchen daselbst, meinen damaligen Hn. Tischwirth, gehöret, 89 ohne was ich privatim wante auff lectionem Hulsemanni und anderer, deren praecepta ich mir bekant machte. 90 Daneben excolirte ich die Frantzöische und Englische Sprache, wie auch die Italiaenische, als zu welchen allen ich daselbst sehr beqveme und gute Gelegenheit fand, solche auch fast in täglicher conversation zu gebrauchen. 91 Dieses geschähe also successive. 92 Inzwischen nahm ich Anno 1685 daselbst Gradum Magistri an und habilitirte mich auch im selb. J. praesidendo, 93 dabey ich wol keinen andern zweck hatte als desto besser Geld mit Collegiis zu ver­dienen, und dadurch desto besser befördert zu werden. 94 Daß ich die Ehre Gottes solte dabey gesuchet haben, kan ich mich nicht erinnern, ob ich wol damahls, wenn ich darnach wäre gefraget worden, würde geantwortet haben, daß ich diesen Haupt­zweck praesupponirte. Den äusserlichen zweck aber, den ich gesuchet hatte, erhielte ich auch leichtlich. Denn ich bald drauff gnug zu thun kriegte, und ein Collegium

84 Johann Friedrich König (16191664), seit 1651 Professor der Theologie in Greifswald, seit 1659 in Rostock. Seine Theologia positiva acroamatica synoptice tractata, Rostock 1664, war eines der meistgebrauchten dogmatischen Lehrbücher der lutherischen Orthodoxie.

85 Vgl. vorl. Ausg., S. 15.

86 Zu den Collegia vgl. vorl. Ausg., S. 18.

87 Johann Benedict Carpzov (16391699), seit 1668 Professor für orientalische Sprachen in Leipzig, seit 1684 Professor der Theologie daselbst, gleichzeitig Pastor an der Thomas-Kirche. Er stand anfangs den Reformbestrebungen aufgeschlossen gegenüber, wurde aber später ein erbitterter Gegner Speners und Franckes.

88 Unter den Schriften Carpzovs finden sich mehrere Werke zur Homiletik, vgl. insbeson­dere die von ihm in erweiterter Form herausgegebene Predigtlehre seines Vaters: Hodogeticum brevibus aphorismis olim pro collegio concionatori conceptum, Leipzig 1675.

89 Johann Dornfeld (16431720), 1670 Magister der Philosophie in Leipzig, seit 1682 Diaco- nus an der Nikolai-Kirche, später Superintendent von Leipzig.

90 Johannes Hülsemann (16021661), seit 1629 Professor der Theologie in Wittenberg, seit 1646 in Leipzig. Sein Werk Methodus concionandi, Wittenberg 1638, wurde später mehrfach mit anderen Schriften zur Homiletik in einem Sammelband vereinigt, auf den sich Francke hier möglicherweise bezieht (vgl. das Exemplar HB 75 H 10).

91 Er hatte längere Zeit einen Famulus, mit dem er französisch sprach. Später wohnte er mit einem Engländer zusammen (vgl. Lebensnachrichten, a. a.O., S.60).

92Daneben... gebrauchen: Zusatz am Rande. Der Ort der Einfügung ist nicht gekenn­zeichnet, so daß der anschließende Satz auch nur als Abschluß der vorangehenden Darstellung gemeint sein könnte.

93 Francke wurde am 29. Januar 1685 zum Magister promoviert (vgl. Illgen, a.a.O., S.9). Er habilitierte sich nach einer handschriftlichen Eintragung am 18. Juli 1685 mit der Disser- tatio philologica de grammatica hebraica (vgl. das Exemplar HB 76 C 7).

94 Francke befand sich in einer finanziellen Notlage (vgl. Lebensnachrichten, a.a.O., S.60). Der Erwerb des Magistergrades war wahrscheinlich außerdem auch eine Voraussetzung für die Wiedererlangung des Schabbelschen Stipendiums (vgl. Seilschopp, a.a.O., S.113L; Weigelt, a.a.O., S.56).