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I. Biographisches
eigentlich waren / sieben Sechzehn-Groschen-Stücke / sind der rechte Anfang und das erste Capital/woraus nicht allein zuerst die Armen-Schulen angerichtet /sondern auch so fort hernach das Waysen-IIauß veranlasset und erwachsen ist.
Ich destinirte zu der Armen-Schul im Sommer einen Raum vor meiner Studier- Stube / und ließ daselbst an der Wand eine Büchse affigiren / mit der Uberschrifft: Zur information der armen Kinder / und der dazu nöthigen Bücher und anderer Zugehör Anno M.DC.XCV. Unter die Büchse ließ ich setzen den Spruch Proverb. 19. v. 17. Wer sich des Armen erbarmet / der leihet dem HErrn / der wird ihm wieder gutes vergelten. Auff dem heiligen Pfingst-Fest ward ich von einigen Frembden besucht / welche sich über diese neue Anstalt freueten / und zu Fortsetzung des Wercks einige Thaler beytrugen. Auch haben nach der Zeit einige biß hieher etwas in diese Büchse gesteckt / und ist dadurch dem Werck immer einiger Beytrag geschehen.
(18) IX.
Bald nach Pfingsten / da einige von denen Bürgern sahen / daß die Armen-Kinder mit allem Fleiß unterrichtet wurden / wollten sie ihre Kinder auch gerne zu eben demselben Informatore thun / und erboten sich / ihm wöchentlich für ein Kind einen Groschen zu geben. Daher der Informator täglich insgesamt fünff Stunden informi- rete / und dafür nunmehro sechzehen Groschen wöchentlich empfing. Denen armen Kindern wurde wöchentlich zwey biß drey mal Allmosen ausgetheilet / damit sie desto lieber in die Schule giengen / und desto besser in Ordnung gehalten werden könnten. Einige höreten auswärtig von solcher Anstalt / und sendeten etwas von Gelde zum Beytrag / darzu auch andere etwas von Leinwand sandten / daß ihnen Hembder gemacht werden kunnten / damit sie durch solche Wohlthat bewogen würden / das Gute desto besser anzunehmen.
Und also ward diese Armen-Schule den Sommer über gehalten / und war die Zahl der Armen und Bürgers-Kinder / so darinnen unterrichtet wurden / etwa funffzig biß sechzig. Inzwischen konnte doch auch von dem zufliessenden Seegen Gottes einigen Hauß-Armen gutes geschehen. Denn es wurde kein Capital gesammlet / sondern / was GOtt gab / das gieng drauff.
X.
Im Sommer 1695. empfing ich ein Schreiben von einer Christlichen Standes- Person / in welchem mir ohn alles mein Suchen und Hoffen fünffhundert Thaler offeriret wurden / solche nach meinem belieben unter die Armen zuvertheilen / sonderlich aber arme Studiosos dabey zu bedencken. 5 Da mir nun bald darauff auch die fünffhundert Thaler gezahlet wurden / merckte ich den offenbaren Seegen GOttes zu dem angefangenen Werck / und erlangte dadurch nicht wenig Freudigkeit / in demselben getrost fortzufahren. Denn bißher hatte ich nur eintzele Thaler dazu empfangen. Weil aber bey dieser grossen Beysteur die armen Studiosi sonderlich bedacht werden sollten / nahm ich bald solche Studiosos, die der Wohlthat am meisten dürfftig und werth zu seyn schienen / und gab ihnen nach Befindung ihrer Noth- durfft wöchentlich vier / acht / biß zwölf! Groschen / daß mancher armer Studiosus dadurch erhalten ward / der sonst nicht ferner hier zu subsistiren gewußt.
(19) Die Zahl solcher armen Studenten kam auff zwantzig und drüber / welche fast alle wöchentlich acht Groschen / auch etliche zwölff Groschen empfingen. Und das ist
5 Nach einer Briefnotiz stammt diese erste größere Spende von G. R. v. Schweinitz, der das Werk Franckes eifrig gefördert hat (vgl. Kramer, A. H. Francke, I, S. 169, Anm.2). Zu seiner Bedeutung für Francke vgl. vorl. Ausg., S. 57.