2. Die Fußstapfen Gottes, 1701

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viele remonstration, daß ich solchen Sinn ändern / und zum Mauer-Werck mich resolviren mußte / umb sovielmehr / nachdem der Baumeister mit andern Bau­verständigen und vornehmen Leuten darüber conferiret hatte / und von denenselben darzu mit guten Gründen instruiret war.

Es kam dazu / daß ich in eben demselbigen Jahre umb Ostern einen kleinen Bauer- Hof zu Giebichenstein nebst einem Stück Landes / der Brodt-Sack genannt / für die armen Waysen erhandelt / da in dem Garten ein Felsen war / und gute Mauersteine gab / die ich zum Bau bequemlich und mit gutem Yortheil gebrauchen konte / auch sich gute Gönner erbothen / dieselbige anführen zu lassen / wie denn solches auch nachmals geschehen.

Doch würden alle persuasiones und angeführte Gründe mich nicht darzu bewogen haben / wenn ich nicht / gleichwie im gantzen Werck / also auch hierinn von Gott wäre gestärcket worden / es getrost auch im Glauben auf ihn zuwagen.

(28) Ob ich nun wol mit keinem Vorrath zu bauen angefangen/so hat doch GOtt von Zeit zu Zeit so viel Segen zufliessen lassen / daß die Bauleute und Taglöhner umb der richtigen Zahlung willen gerne und mit Lust gearbeitet; wie denn auch zu vieler Arbeiter gutem Vergnügen der Bau täglich mit Gebet angefangen / auch dann und wann bey der Zahlung des Sonnabends eine Ermahnung an sie gethan / mit ihnen gebetet / und dabey GOtt für den verliehenen Beystand in der vergangenen Woche gedancket worden. GOtt hat auch sein gnädiges AufFsehen gar mercklich gezeiget / bey so mancher augenscheinlichen Lebens-Gefahr / indem er die Arbeiter für tödt- lichen Fällen bewahret / und denen wenigen / so durch fallen einiger massen be­schädigt worden / in kurtzer Zeit wieder also geholffen hat / daß sie getrost und freu­dig wieder an die Arbeit gangen.

So gieng auch der Bau so wol von statten / daß ungeachtet man nach der Be-1 schaffenheit des Orts gar tieffen und starcken Grund legen mußte / und daher im Herbste Anno 1698. nur erst etliche Fuß Mauer-Werck über der Erde zusehen waren / dennoch derselbe gegen Margarethen-Tag oder den 13. Julii Anno 1699. und also in einem Jahre unter das Dach gebracht worden. Demnach hat GOtt zu schänden ge- machet den Unglauben desjenigen / welcher / da die Mauer schon die Helffte auff- geführet worden / aus freventlicher Beurtheilung vermessentlich heraus gebrochen: Wenn die Mauer in die Höhe kömmt / will ich mich dran hängen lassen.

Es haben darauf Anno 1700. umb Ostern die Waysen-Kinder und Studiosi würcklich darinnen Zuspeisen angefangen / und ist bald hernach das eine Stock- werck / und diese Ostern Anno 1701. auch die übrigen Stockwercke bezogen worden / zu nicht geringer Erleichterung des gantzen Wercks.

Seine Churfürstl. Durchl. beneficirten das Werck sofort mit hundert tausend Mauer-Steinen und dreyßig tausend Dach-Steinen / welches dann auch dem Bau eine nicht geringe Förderung gegeben / und mit unterthänigstem Danck erkannt worden. 13

XXX.

Anno 1698. den 19. Septembris ertheilten S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg das gnädigste Privilegium über das (29) Waysen-Hauß / wie solches sub lit. C. hiebey befindlich ist. Welches hernach in einigen Puncten von Sr. Churfürstl. Durchl. zu mehrerer Confirmation declariret worden; wie selbige Declaration auch hiebey sub

13 Über die Förderung Franckes durch den brandenburgisch-preußischen Hof vgl. zuletzt Deppermann, a.a. O., S. 62 ff.