2. Die Fußstapfen Gottes, 1701 Das II. Capitel.

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Von

Der augenscheinlichen und wunderbaren Vorsorge GOttes / welche sich von Anfang biß hieher in dem Werck der Armen-Verpfle- gung erwiesen.

I.

Dieweil man nicht völlig vernehmen kan / durch was für Mittel die Armen-Ver- pflegung zu Glaucha und der dazu auffgeführte Bau so wol angefangen als bißhero fortgesetzet sey / wenn nicht auch in Exempeln dargestellet wird / wie GOttes wun­derbare Providentz und Vorsorge sich mit und bey dem Wercke gantz offenbarlich zuerkennen gegeben / so will ich ferner solcher Exempel / die mir am merckwürdig- sten fürkommen / eine gute Anzahl beyfügen.

II.

Nun ist bereits aus der obigen Erzehlung offenbar / daß man nicht erst gesuchet / ein Capital zu kriegen / und darnach das Werck anzugreiffen / sondern daß man das gegenwärtige / welches GOtt bescheret / und das in wenigen Thalern bestanden / frisch angegriffen / und die Sorge des künfftigen im Glauben GOTT anbefohlen; und daß auff solche Weise nicht allein anfänglich die Armen-Schulen / sondern auch die würckliche Auffnahme der Waysen-Kinder und armen Studiosorum, wie auch der Bau des Waysen-Hauses angefangen und fortgesetzet seyn. Aus welchem allen denn schon ein Verständiger leichtlich abnehmen kann / daß sich bey der Führung des gantzen Wercks mancherley müsse zugetragen haben / dieweil das Werck nicht nach der gemeinen Weise der Einnahme und Ausgabe tractiret werden können. (31) Solches dann mögen nachfolgende Exempel klärer bestärcken.

III.

Vor Ostern Anno 1696. kam es dahin / daß fast alles erschöpffet war / und man fast nicht mehr wußte / wo in der folgenden Woche etwas herzunehmen wäre / dergleichen starcke Prüfungen ich denn bey dem Werck zu der Zeit noch nicht gewöhnet war; da kam GOtt zur rechten Stunde / und ließ eine unverhoffte Hülffe geschehen. Denn er erweckte eine Person (wer es ist / und an welchem Orte / und ob die Person weib­liches oder männliches Geschlechts sey / das ist dem HErrn bekannt) die mir zu Fortsetzung meiner Armen-Verpflegung tausend Thaler auszahlen Hesse / und die­selben empfieng ich zu einer solchen Zeit / da kein Vorrath mehr da war. Der HErr der solches gewürcket hat / sey ewig darüber gelobet / und vergelte es mit einer tausendfältigen Gnaden-Belohnung ! 16

(34) X.

Umb Michaelis anno 1699. war ich in äusserstem Mangel / und da ich bey gar schönem Wetter ausgegangen war / und den klaren Himmel betrachtete / ward mein Hertz sehr im Glauben gestärcket (welches ich nicht meinen Kräfften / sondern

16 Vgl. Historische Nachricht, S.25f. Die Spende wurde durch Spener vermittelt (vgl. vorl. Ausg., S. 59 f.).