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I. Biographisches

lauterlich der Gnade des HErrn zuschreibe) also daß ich bey mir selbst gedachte: Wie herrlich ist es doch / wenn man nichts hat / und sich auf nichts verlassen kan / kennet aber den lebendigen GOtt / der Himmel und Erden erschaffen hat / und setzet auff ihn allein sein Vertrauen / dabey man auch im Mangel so ruhig seyn kann.

(35) Ob ich nun wol wußte / daß ich noch desselben Tages etwas von nöthen haben würde / so war doch mein Hertz im Glauben so gestärcket / daß ich frölich und ge­trost war. Kam darauff zu Hause / da denn gleich der jenige zu mir kam / welcher am selbigen Tage / als an einem Sonnabend / die Arbeits-Leute beym Bau des Waysen-Hauses bezahlen sollte / hatte sich schon darzu fertig gemacht / daß er nur von mir Geld holen / hingehen und auszahlen wollte. Fragte mich demnach / ob ich was bekommen hätte? Ist was kommen? sagte er / ich antwortete: Nein / aber ich habe Glauben an GOtt. Kaum hatte ich das Wort ausgeredet / so ließ sich ein Studiosus bey mir melden / welcher denn dreissig Thaler von jemanden / den er nicht nennen wollte / brachte. Da gieng ich wieder in die Stube / und fragte den andern / wie viel er dißmal zur Bezahlung der Bau-Leute bedürffte? Er sagte dreissig Thaler. Ich sagte: Hier sind sie ; ob er mehr brauchte? Er sagte: Nein ; Welches denn uns beyde im Glauben sehr stärckte / indem wir so gar augenscheinlich die wunderbare Hand GOttes erkenneten / welcher es in dem Augenblick gab / da es von nöthen war / und so viel / als vonnöthen war.

(39) XXIY.

Es geschähe gleichfalls / daß ich zu einer Zeit einer grossen Summa benöthiget war / so daß ich mit hundert Thlr. nicht auszukommen wußte / gleichwol aber nicht sähe / woher ich zehen / geschweige hundert Rthlr. bekommen solte. Es kam der Oeco- nomus, und zeigete die Nothdurfft / ich beschied ihn / er sollte nach der Mittags- Mahlzeit wiederkommen / und gäbe mich inzwischen aufs Gebet; als er aber nach der Mittags-Mahlzeit wieder kam / war noch nichts vorhanden / daher ich ihn auf den Abend wieder kommen hieß. Ich ward inzwischen von einem vertrauten Christ­lichen Freunde besuchet / mit welchem ich mich denn im Gebet vor GOttes Angesicht vereinigte / und ward sehr beweget GOtt zuloben und zupreisen für alle seine Werck und Wunder / die er von Anbeginn an den Menschen-Kindern erwiesen hat / also daß mir die vornehmsten Exempel der gantzen H. Schrifft in meinem Gebet zu Gemüth kamen. Daher ich auch in solchem Lobe GOttes so gestärcket ward / daß ich dabey allein blieb / und nicht nöthig fand / GOtt ängstiglich zubitten / daß er mich aus gegenwärtiger Noth erretten möchte. Da nun dieser gute Freund von mir weg- gienge / und ich ihn durchs Hauß biß an die Thür begleitete / stand an der einen Seiten der Oeconomus, und wartete / daß ich ihm das verlangte Geld auszahlen möchte / an der andern Seiten stand eine andere Person / welche hundert und funffzig Thlr. überbrachte in einem versiegelten Beutel / zu Behuff des Waysen-Hauses.

Was hätte mir klärer seyn können / als daß die heilige Vorsorge GOttes dieses alles so wunderbarlich regiret / und daß sich GOtt wende zum Gebet der Elenden / und tröste die Geringen / wenn sie ihr Vertrauen auf ihn setzen / ja daß eben derselbe GOtt (40) noch lebe / und sich noch als einen wunderbaren HErrn erweise / der vor Alters sich so herrlich an denen Vätern erwiesen hat / welche uns zum Exempel des Glaubens vorgestellet sind.

(45) XXXV.

Aus alle dem / so biß anher erzehlet worden / ist augenscheinlich zu erkennen / durch was für Mittel die Armen-Verpflegung / und der Bau des Waysen-Hauses so