2. Die Fußstapfen Gottes, 1701
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bestellet worden / und haben mich dabey entschuldiget. Andere haben sich wol gegen mich selbst / mit allerhand schändlichen inculpationen und Schmähungen heraus gelassen.
Durch dergleichen unchristliches Bezeigen / (dazu sich denn immer Leute gefunden / die jene tapffer darinne gestärcket) sind denn auch öffters gar Christlich- und wohl-gesinnete Personen auffgebracht worden / sich bey mir nach der eigentlichen Beschaffenheit der Sachen zuerkundigen/ daß ich immer mit Apologien (65) gefaßt seyn müssen; Zugeschweigen / daß ich denn zum öfftern die zum Waysen-Hause bestellte Leute zur Rede setzen mußte / umb die rechte Gewißheit von allem zuerfahren. Wodurch denn diesen in ihrem unter Händen habenden Wercke / wie leicht zuerachten / ihre Last sehr vermehret worden / indem sie bey aller ihrer so offt erkannten Unschuld und Treue / dennoch so viel Beschuldigungen / und durchs gantze Land gehende Lästerungen über sich zunehmen hatten.
So auch geringe Fehler bey dem Wercke vorlieffen / wie so gar in der kleinsten Haußhaltung täglich nicht aussenbleihen wird / so wurde solches bald / wenn es lieblose Leute wahrnahmen / so groß gemacht / als wenn es / ich weiß nicht / was vor unverantwortliche Dinge wären.
(66) VIII.
Wie unbillich andere den Bau selbst getadelt / bald seiner Grösse / bald seiner Kostbarkeit halber / wird unten im Anhänge gezeiget werden. 21 Ich habe solchen kurtz geantwortet: Ich muß am besten wissen / wie groß und gut ich ein Hauß von- nöthen habe / das gantze Werck recht einzurichten; Das sollt ihr (67) aber wissen / wenn GOtt dieses Hauß gebauet hat / so wird er so reich seyn / als er vorhin war / die Armen zuversorgen / so darinnen wohnen sollen. So giebts ja die gesunde Vernunfft / daß ein Hauß / darinnen ein paar hundert Leute verpfleget werden sollen / mehr Raum und Gemächlichkeit haben muß / als ein privat-Hauß.
XI.
Andere haben / vielleicht aus keiner übelen Meynung / geurtheilet / die Anordnung und Direction so vieler Schulen und Anstalten / und die daher entstehende viele Mühe und Beunruhigung (68) werde mich an dem Zunehmen in meinem Christenthum hindern. Da ich doch in der Wahrheit sagen kann / daß ich Gott Lebenslang nicht besser erkennen lernen / als in dieser mannichfältigen Erfahrung / auch Glauben / Liebe und Gedult / darinnen die Summa des rechten Apostolischen Christenthums bestehet / durch kein ander Mittel kräfftiger bey mir erwecket worden / als durch eben dieses.
Ich habe es meines theils für besser gehalten mit dem Samariter mich meines Nächsten anzunehmen / als mit dem Priester und Leviten in der speculation vorbey zugehen; 22 Dancke GOtt / daß ich dabey gelernet / wie armen Leuten zu Math ist / welches ich sonst nicht so gewußt.
(69) XIV.
Ja der Lügen-Geist ist so grob gewesen / daß er sich nicht gescheuet auszusprengen / es wären viele tausend Thaler untergeschlagen worden. Item, der Papst schicke
21 Vgl. Fußstapfen, S.102ff.; Kramer, Neue Beiträge, S.149f.
22 Vgl. Luk. 10,31 ff.