50
I. Biographisches
was Geld darzu / item, man kriege das Geld von den Papisten und allerhand Schwärmern. Dergleichen Phantasien wol solche Leute nachgesaget / welchen man mehrern Verstand zugetrauet hätte.
Es haben sich Böse und Fromme / jene aus Boßheit / diese aus Unvorsichtigkeit / und weil sie nicht gründliche Wissenschafft von allem gehabt / an dem Werck versündiget: Welches mich zwar in der Sache selbst nicht irre gemacht / aber wol / wie es auch billig ist / betrübet / und zwar dieses letztere mehr als das erste.
(72) XVII.
Weltlich gesinnete Leute haben sich diese Umbstände meiner Mit-Arbeiter nicht einbilden können / und haben dahero offtmals diese und jene functionen bey dem Waysen-Hause und übrigen Anstalten gesuchet. Wenn sie aber gehöret / daß man dabey so gar ohne eigenem Interesse arbeiten / und mit den armen Armuth zu leiden / selbst lernen müsse / sind sie gar gerne von ihrem Suchen abgestanden.
In Summa: Die meisten haben einen solchen irrdischen und weltlichen Begriff von dem gantzen Werck / daß Sie ihnen sonderliche Herrlichkeit dabey einbilden: Wenn sie aber dessen Führung selbst nur eine und die andere Woche übernehmen sollten / so würden sie bald innen werden / wie es alles unter dem Geheimniß des Creutzes liege / und wie so viel und mancherley Trübsaal und Prüfungen dabey zusammen stossen; und dann möchte auch wol denen an Händen und Füssen kalt werden / welche jetzt so vermessen sind / über alles zu urtheilen / da sie doch in der That nicht Hand an- legen / es besser zu machen.
Es lässet sich solches alles nicht so beschreiben / als man es seihst erfahren würde / wenn man sich auff gleiche Weise hinein geben möchte / sich seines armen am Wege liegenden / und an Leib und Seel verderbenden Nächsten mit einem rechtschaffenen und Christlichen Ernst anzunehmen / und umb der Liebe willen des andern Last tragen zu helffen / da man bald fühlen möchte / wie geschwind man seine volle Ladung kriegen würde.
Das IV. Capitel.
Von
Der Auffsicht und Administration des gantzen Wercks.
I.
WAs die Auffsicht und Administration des gantzen Wercks betrifft / beruhet solche 1) auff einer Conferenz, welche täglich von mir dem Directore mit denen jenigen gehalten wird / die zur Auffsicht aller und jeder besondern Anstalten bestellet sind / als über die Oeconomie, über die Schulen / über den (73) Buchladen / über die Apothecke und Krancken-Pflege / über die Studiosos im Waysen-Hause. Und zwar habe ich jetzt gemeldte Conferenz des Abends nach der Mahlzeit von 8. biß 9. Uhr angesetzet (wiewol sie nach erforderten Umbständen auch länger währet) so wohl / dieweil ein jeglicher des Tages über seine Hände voll zu thun findet / als auch / damit ich auff diese Weise die mir anbefohlne Aemter den Tag über unverhindert verrichten kann / und durch das Expediens der abendlichen Conferenz von dem sonst allzugrossen Uberlauff der Mit-Arbeiter befreyet bleibe.