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I. Biographisches

1000 thlr gethan, 17 und solcher begehret zu berichten, daß es dabey bleiben werde, ist mir ja wol sehr erfreulich, und hatte auch H. Rath. Hoffmann mir schon part davon gegeben. 18 Ich habe es im Glauben auff Gott gewaget, und ein lebendiges Waysen- hauß auffgerichtet, ehe wir noch ein gewisses Gebeude dazu haben, und werden die Kinder welche ich auffgenommen, bißhero Gott lob! wol gehalten und erzogen, daß ich versichern kan, daß es ietzo so angewendet wird, als es etwa künfftig bey einer weitleufftigen Verfassung schwer fallen möchte, welche doch auch zu wünschen und so gut als möglich einzurichten ist. Könnte es mit Genehmhaltung des so milden Wolthäters, den ich meines unablässigen und ernstlichen, und der armen Waysen Gebets gerne versichert wissen möchte, geschehen, daß solche ansehnliche Summe der 1000 Rthlr bald an mich übermachet, und zu meiner disposition übergeben würde, käme es mir wol sonderlich zustatten, und würde mir mein Fürnehmen in ( 5 a ) dem Herrn nicht wenig facilitiren, und der Ausführung des gantzen Wercks etwa beßeren Nachdruck geben, als wenn er nur zum Capital auff künfftige dispen- sation, wenn das gantze Werck schon im Stande wäre auffgehoben würde. Gott wirds regiren, wie es seyn sol, ausser dessen willen ich nichts begehre, der mir auch bißhero seine Wunderhand in diesen Dingen so merckl. gezeiget, daß ich nur auff seine Güte getrost hoffe. Die anzahl der auffgenommenen Kinder beleufft sich ietzo nur noch auff zehn oder zwelff kinder, wenn ich diejenigen zwey darzu rechne, die ich in nech- sten Tagen dazu bekommen werde, deren unterhalt und gäntzliche Erziehung doch jährlich etliche Hundert thaler erfordert. Aber die Armen Schule ist ziemlich starck worden, dazu nun 4 Praeceptores gehalten, und weil es mir an Gemächligkeit fehlet, noch 2 Stuben und kammern dazu erbauet werden. Der Kinder aber sind über Hun­dert, und werden täglich 7 Stunden unterrichtet, und wird wöchentl. die Zahl ziem­lich vermehret. Die Hand des Herrn ist offenbarlich mit im Wercke, der auch alles wol ausführen wird. Der andern, mehrentheils fremden Knaben, die auch in guten Künsten und Wissenschafften unterrichtet werden sind ietzo 35, dazu ( 5 b ) auff der Eltern Unkosten 7 Praeceptores von frommen und geschickten Studiosis gehalten werden. Der Herr laße mir diese Knaben gerathen, wie die Pfeile in der Hand eines starcken. 19 Ich zweiffele nicht, so mein theurester Vater ferner etwas beytragen kan zu beförderung solcher wichtigen Dinge, sonderlich der Armen und Waysen Erzie­hung und Verpflegung, er werde mir mit Freuden darinnen die Hand bieten. Womit vor diesesmahl von Meiner Gehülffin, deren glückl. Niederkunfft wir vom Herrn mit Verlangen erwarten, 20 und der Fr. Stiffts-Hauptmännin 21 von Stammer Denselben und deßen gantzes Hauß wie auch die wehrteste Fr. Linckin 22 so bey ihnen ist hertzl. grüße, der Hand des Herrn empfhele, und verharre

17 Vgl. Kramer, Beiträge, S.344, und Fußstapfen, vorl. Ausg., S. 43.

18 Vermutlich August Hoffmann (16611719), Hof- und Regierungsrat vieler Stände und Fürsten. Er stand 1695/96 mit Francke in brieflichem Kontakt und besuchte ihn in Halle. Er war bemüht, Francke bei der finanziellen Sicherung des Waisenhauses zu helfen. In seinen Briefen wird mehrfach von dieser Summe gesprochen (vgl. AFSt C 57: 15).

19 Ps. 127,4.

20 Der zweite Sohn Franckes, Gotthilf August, wurde am 23. März 1696 geboren.

21 Sophia Maria v. Stammer, geb. v. Selmnitz, Frau des Quedlinburger Stiftshauptmanns, eifrige Förderin der pietistischen Bewegung in Quedlinburg. Francke lernte sie 1691 in Qued­linburg auf seiner Reise nach Berlin kennen. Zwischen ihr und der Famihe Francke bestanden enge persönliche Beziehungen (vgl. Kramer, Beiträge, S. 156, 311).

22 Vgl. Kramer, Beiträge, S.345.