3. Briefe
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M. theuresten Vaters und Hochgeehrt. Hn. Gevatters Glauche zu Gehorsam und Gebet
an Halle d. verbundenster
7 Mart. M. Aug. Hermann Francke.
1696.
(6 a ) P. S. von H. Scharschmiden 23 habe gestern aus Dörpt Brieffe welcher anfänglich meinen Vorschlag in die Moscau zu reisen, mit Freuden angenommen, bißhero aber von guten Freunden durch Vorstellung der bevorstehenden Gefahr zurück gehalten worden, und läst ers noch auff H. Sup. Fischers 24 Rath ankommen, den er noch nicht deswegen gesprochen. Vorgestern habe abermahls aus Engeland brieffe bekommen, da sich der H. Ludolff 25 sehr über die von H. Scharschmiden in meinem Schreiben ihm gemachte Hoffnung erfreuet, und ein recommendations Schreiben sendet, das er vielen seinen guten von ihm benahmten Freunden im Lande und in der Stadt Moscau selbst vorzeigen könne. Giebt sonst auch vielen guten Raht der Gefahr zu begegenen, welches dann hoffentl. der Sache den Außschlag geben sol. Der Herr ist wunderbar und sehr herrl. in allen seinen Wegen. Von Dero gel. Sohn 26 hatte H. Ludolffen geschrieben weil ich vermeinet er werde mit s. Gefehrten in Engeland reisen. Da sich H. Ludolff zu aller Liebe erbeut. Ich höre aber der Vorsatz der Reise ist in etwas geändert.
23 Justus Samuel Scharschmid (1664—1724) gehörte zu den ältesten und treuesten Mitkämpfern Franckes. 1694 reiste er über Königsberg nach Dorpat. Im Sommer 1696 trat er seine Reise nach Moskau an. Er durchzog Rußland und kam bis Astrachan. Die in ihn gesetzten Erwartungen haben sich nicht erfüllt. 1717 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Adjunctus an der Moritz-Kirche in Halle. Der Brief Scharschmids ist datiert vom 27. Januar 1696 (AFSt C 296: 8).
21 Johann Fischer (1636—1705), 1673 zum Superintendenten der livländischen Kirche ernannt, 1690 Doktor der Theologie und Professor an der Dorpater Universität, wurde 1700 zur Schlichtung der Streitigkeiten zwischen Francke und der hallischen Stadtgeistlichkeit nach Halle gerufen. Seit 1701 war er Generalsuperintendent in Magdeburg.
25 Zu H. W. Ludolf vgl. vorl. Ausg., S. 62 f.
26 Wilhelm Ludwig Spener (1675—1696). Er starb auf der Reise in Livland (vgl. P. Grünberg, Philipp Jacob Spener, Bd. I, Göttingen 1893, S. 380).