3. Briefe

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durch Ludolf vermittelten Adressaten in Smyrna den Briefkontakt bereitsnebst diesen Briefe angefangen habe. Das Schreiben nach Smyrna, das im Kopierbuch unmittelbar vor dem Brief an Ludolf steht, trägt das Datum vom 14./24. Juli 1699. Dort fügt Francke am Schluß die Bitte an: Literas ad Dn. Ludolffium baud gravatim curabis Constantinopolin (AFSt D 113, S. 152; vgl. auch die folgenden Anmerkungen).

(153) ImmanuEL!

Gel. Br. in dem Herrn. Ich bedaure, daß da alle seine Briefe richtig an mich be­stellet sind von Livorno, Smirna und Constantinopel (: davon ich einen von 13. Mart, und einen von 24. April erhalten.) 1 ich hingegen daraus ersehe, daß von den Meinigen keiner an ihm kommen ist. 2 Ich erfreue mich, daß man gedencket in Constantinopel einen christlichen studiosum unterzubringen. 3 Ich bitte nur gewiße Abrede zunehmen, wie es soll mit den Reise kosten gehalten werden, wie die Reise am Besten anzutreten und fortzusetzen, und was sonst zum Zweck dienlich ist, gründlich und ausführl. zumelden, sonderlich aber gute addressen und recommendationes an die vornehmsten Örter zuschicken. Kann man eine solche condition gewiß machen, so will ich mit Gottes Hülffe künfftigen Ostern unfehlbarlich einen hineinschicken, der in der Grie­chischen Lateinischen und Italiaenischen Sprache wohl versiret seyn soll. Sollte wohl ein geschickter Studiosus medicinae sich können allda von der medicin ernehren? Ich wollte so dann einen mitschicken, damit sie einander Gesellschafft leisten können. Ich erwarte hierauf gewiße Antwort, damit ich zwey Leute biß Ostern recht könne praepariren laßen. 4 Die mir in Smirna gegebene adresse habe ich wohl in acht ge­nommen, und bereits das Commercium litterarium nebst diesen Briefe, angefangen, 5 und etliche Exemplaria von meinen Lebens-Reguln, und Anleitung zum Christen­thum, jenes Italiaenisch, dieses Lateinisch hineingeschicket. 6 In Engelland habe ich auf Verlangen H. Meckens und einiger von der Englischen Kirche 7 zwey g e(154) schickte Praeceptores unsers Paedagogii, Mehder und Wiegers gesendet, die auch

1 Vgl. AFSt D 71, fol. 9a15b.

2 Ludolf berichtet in einem Brief vom 19. Mai 1699, daß er Franckes Briefe vom 3. Novem­ber 1698 und 13. Februar 1699 empfangen habe. Einen Brief vom 16./26. Juni 1699 erhielt er bereits am 13. September d. J., dagegen erreichte ihn ein Brief vom 4. Januar 1699 erst am 15. April 1700. Weitere Briefe Franckes vom 14. Mai, 13. Juli und 19. August 1699 sowie vom 8. Februar 1700 sind verlorengegangen (vgl. AFSt D 71, fol. 18a45a).

3 Ludolf hatte mit dem Prediger der holländischen Gesandtschaft in Konstantinopel, Isaac Rombouts, Kontakt aufgenommen (vgl. AFSt D 71, fol. 14a und 17a). Dieser nahm 1701 zwei Abgesandte Franckes nach Konstantinopel mit (vgl. AFSt D 71, fol. 30b und 31a).

4 Einer von ihnen war Anhard Adelung, seit 1698 Student in Halle. Er wurde zu einem der wichtigsten Mitarbeiter Franckes im Orient, in Ungarn und in Rußland (vgl. Winter, a.a. O., passim).

5 Nach einem früheren Brief Ludolfs war es der Kaplan der englischen Gemeinde in Smyrna, Edmund Chishull (16711733), später Hofprediger des englischen Königs (vgl. AFSt D 71, fol. 15a). Franckes Brief an ihn (14./24. Juli 1699) findet sich als Abschrift im Kopierbuch vor dem Brief an Ludolf (AFSt D 113, S. 151152). Die Adresse fehlt, ist aber aus dem Inhalt ein­deutig zu erschließen.

6 Vgl. vorl. Ausg., S. 350ff.

7 Die Aussendung der beiden hallischen Erzieher erfolgte vor allem auf die Bitte des Erz­bischofs von Canterbury, Thomas Tennison (16351715), mit dem Francke durch Vermittlung Ludolfs schon längere Zeit in brieflichem Kontakt stand (vgl. Beyreuther, Ökumene, S. 108 ff.). Doch war das selbst den beiden Abgesandten unbekannt. Sie erhielten ein Empfehlungsschrei­ben an den lutherischen Hofprediger des Prinzen Georg von Dänemark, Mecke, der sie auch nach einigem Zögern tatkräftig unterstützt hat (vgl. Beyreuther, Ökumene, S. 111, 114ff.).