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I. Biographisches
zu London wohl angenommen sind, 8 und schreibet Herr Wiegers vom 4. May. daß schon auf 40. Kinder vorhanden sind, die sie unterrichten sollen, so bald sie nur in der Englischen Sprache sich mehr perfectionirt haben. Mann will ihnen dann noch mehr Kinder, (auch in guten Studiis.) zu informiren verschaffen, daß ich wohl noch mehr Studiosos werde hineinschicken müssen. 9 Ich bitte sie mit guten recommen- dationen zu secundiren. Mr.Woodroft 10 soll auch noch darauf warten, daß ich ihm ein gutes subjectum schicken solle, welches ich ihme versprochen hätte. Es seind 6. Grichische Knaben in Engelland ankommen, dazu Er das subjectum wird gebrauchen wollen. * 11 Ich habe jezt einen sehr geschickten Magistrum, den ich ihm schicken will, und bin versichert daß er ihm trefflich anstehen wird. 12 Ich bitte ihn nur darinnen zu confirmiren, wenn man an ihn schreibet. Zu Nürnberg hat ein Prediger H. Feuerlein einen Bericht von Verbeßerung des dortigen Gymnasii herausgegeben, und unsere Worte aus dem Bericht vom Paedagogio vielfältig angezogen, als welches sie in vielen Stücken imitiret, auch einen Menschen hergeschicket, und gebeten, daß man ihm alle admission geben möchte, das Schul-Wesen recht einzusehen, damit sie ihn künff- tig dort desto beßer gebrauchen könnten. 13 Es wird auch ein informator dorthin verlanget; und in Augspurg haben zwey Prediger darum geschrieben, daß ich ihnen 2. in(l55jformatores schicken soll. 14 Aber H. Pommer in Venedig hat noch keinen verlanget, sonst würde das Commercium ziemlich facilitiret. 15 H. Scharschmidt
8 Johann Christoph Mehder und Jakob Bruno Wigers gehörten 1695 zu den ersten Informatoren am Pädagogium. Über ihre näheren Lebensumstände ist nichts bekannt (vgl. H. Freyer, Programmata, Halle 1737, S. 693). Francke hatte bereits in seinem uns nicht erhaltenen Brief an Ludolf vom 13. Februar 1699 von der geplanten Reise berichtet (vgl. AFSt D 71, fo 1. 16a). Ein Empfehlungsschreiben an den englischen Gesandtschaftsprediger in Den Haag Theophil Dorrington trägt das Datum des 21. Februar 1699 (vgl. AFSt D 113, S. 134ff.). Doch scheinen beide ihre Reise erst Anfang April angetreten zu haben. Über ihre Wirksamkeit n London vgl. Beyreuther, Ökumene, S. 108ff., 114ff.
9 Original des Briefes BN Kapsel 30, Abschrift AFSt B 71, S. 100 f.; vgl. Franckes Brief an Spener vom 15. Juli 1699 (Kramer, Beiträge, S.410).
10 Benjamin Woodroffe (1638—1711), Vorstand der Gloucester Hall in Oxford.
11 Ludolf hatte am 14./24. November 1698 die Abreise der griechischen Knaben gemeldet mit dem Hinweis, daß Dr. Woodroffe ihre Versorgung übernehmen wolle (AFSt D 71, fol. 10a; vgl. den Brief vom 1. Mai 1699, D 71, fol. 16a).
12 Francke hatte an Johann Daniel Herrnschmid (1675—1723) gedacht (vgl. den Brief Herrnschmids vom 20. Juli 1699, abgedruckt bei Nebe, a.a. O., S.53). Der Plan zerschlug sich. Einerseits ließen die Eltern Herrnschmids die Reise ihres Sohnes nicht zu (vgl. AFSt D 43b, fol. 253a), andererseits konnte Dr. Woodroffe sein Vorhaben nicht in dieser Form verwirklichen (vgl. den Brief Ludolfs vom 10. März 1701, abgedruckt bei Nebe, a.a. 0., S.82).
13 Johann Conrad Feuerlein (1656—1718), seit 1683 Prediger in Nürnberg, seit 1697 Inspektor des dortigen Gymnasiums, seit 1709 Superintendent in Nördlingen. Gemeint ist seine Schrift „Des Aus der Asche von Grund neuerbauten Nürnbergischen Gymnasii zu St. Egidien bisherige Fata... Und die mit demselben... Oberherrlich erneuerte und verbesserte Lehr- und Zucht-Anstalt..Nürnberg 1699 (ULB Halle Gb. 580). Vgl. Franckes Brief an Feuerlein vom 14. Juli 1699 (AFSt D 113, S. 156-161).
11 Möglicherweise die Gebrüder Jacob und Friedrich Kaltschmidt in Augsburg, mit denen Francke seit 1693 in brieflichem Kontakt stand (vgl. BN Kapsel 12).
15 1692—1712 befand sich Franckes Bruder Heinrich Friedrich als Kaufmann in Venedig und war dort Mittelpunkt eines religiös interessierten Kreises deutscher Kaufleute, zu dem u. a. Johann Jacob Pommer gehörte. Ludolf hatte am 14./24. November 1698 Francke brieflich aufgefordert, einen Erzieher zu Pommer zu schicken (AFSt D 71, fol. 10b). Dieser sollte eine entscheidende Mittlerrolle bei der Gewinnung der griechischen Kirche spielen (vgl. AFSt D 71, fol. 15a). Pommer schickte später seine drei Söhne auf das Pädagogium in Halle (vgl. Weiske, a.a.O., 27, 1931, S.36f.).