3. Briefe
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findet in Moscau von den Lutherischen Predigern großen Wiederspruch, 16 so daß auch der Tzar jenen inhibition gethan, wie H. Dr. Becker berichtet. 17 Es stehet auch noch drauf, daß H. Scharschmidt daselbst eine gewiße function kriegen soll. H. Michaelis der Jüngere ist von Stockholm nach novogrod zum Prediger des Schwedischen Abgesandten berulfen. 18 Nach Narva gedencke ich ehestens einem Substitutum dem H. Herbers zuschicken. 19 Hier gehet das Werck noch herrlich und wunderbar- lich von statten. Jezt kauffen wir ein feines Guth, so 6. biß 7000 Thlr. kosten wird, und werden es dann mit dem, so wir schon gehabt, conjungiren, weil sie beysamen liegen. 20 Es werden iezt 80. Studiosi, und insgesammt bey dreyhundert Leute von jungen und alten gespeiset. Der große Bau des Waysen-Hauses, so schon über 5000. Thlr. gekostet, wird nun unter das Dach gebracht. 21 An den Armenier in Amsterdam habe ich einen ausführlichen Brief geschrieben, 22 und ihm meine intention mit ihm eröffnet, und zweiffele ich nicht er werde sich mit Genehmhaltung seines Vettern, der nun bey ihm ist, hier einfinden, so bald sie dort mit ihrer Arbeit fertig sind. Mich wird erfreuen, so er mit den Patriarchen zu Jerusalem wird bekannd worden seyn, 23 und nochmehr ( 156 ) so man mit ihm uns eine gewiße correspondence verschaffen könnte. Ich habe iezt ein Collegium graecum für auserlesene subjecta geordnet, darinnen sie graecos Patres durchgehen, einen feinen Grichischen stylum schreiben, und Grichisch reden lernen, damit sie unter andern künfftig alles, was nothig seyn möchte, ins Grichische übersetzen können, welches wir dann dem Patriarchen von Jerusalem und dem von Alexandria 24 zuschicken könnten, wenn gel. Br. uns den Weg durch Gottes Hülfife, dazu bahnet, um auf diese weise die Grichische Kirche zuerbauen. Ich bitte er wolle doch recht ausführlich schreiben, alles was er uns zuwißen nützlich erkennet. Der Herr aber sey ferner sein Schild, und seine Stärcke, und sein starcker Schutz, und verleyhe ihm allenthalben einen völligen Eingang zur Verherrlichung seines Namens AHF.
16 Zu Scharschmid vgl. vorl. Ausg., S. 61. Sein Brief vom 4. Februar 1699 befindet sich AFSt C 296.
17 Dr. Bekker gehörte zu den pietistisch gesinnten Leibärzten am Hofe Peters I. Er überbrachte Scharschmids Brief an Spener. Von Spener erhielt Francke die Nachrichten über Scharschmid (vgl. Speners Brief vom 1. Juli 1699 bei Kramer, Beiträge, S.407).
18 Philipp Michaelis (1675—1719), 1699 Prediger in Novgorod, 1701 Prediger in Archangelsk. 1717 wurde er von Friedrich Wilhelm I. als Prediger des Leibregiments nach Berlin berufen (vgl. Winter, a.a. O., passim).
19 Zwei Brüder Herbers, Gustav und Conrad, hatten sich 1694 in Halle immatrikulieren lassen. Seit Herbst 1697 erhielt Francke von ihnen Briefe aus Narva (AFSt C 73: 1—6, C 382: 1; vgl. Winter, a.a.O., S.257f.).
20 Vgl. die Eintragung im Schreibkalender Franckes am 4. Juli 1699: ,,H. Cammer-Meister Wagners Guth besehen“ (VAFSt I/3d).
21 Am 13. Juli 1698 wurde der Grundstein gelegt, und genau ein Jahr später konnte das Richtfest gefeiert werden (vgl. Fußstapfen, vorl. Ausg., S. 40 f., und Kramer, A. H. Francke, I, S. 174).
22 Es war der Armenier Lucas Nuridgian, der in Rotterdam die Drucklegung des armenischen Neuen Testaments leitete. Der Brief Franckes ist datiert vom 17./27. Juni 1699 (AFSt D 113, S. 141 ff.). Der Armenier kam erst 1705 für kurze Zeit nach Halle (vgl. Winter, a.a.O., S.299).
23 Dositheos (1641—1707), seit 1669 orthodoxer Patriarch von Jerusalem.
24 Gerasimos II., 1689—1710 orthodoxer Patriarch von Alexandrien.