86

II. Schriften zur kirchlichen Reform

solcher Sprüche / sondern auch das gantze Capitel ( 274 ) aus des Johann Arnds wah­ren Christenthum / auffs allereinfältigste erkläret und erläutert wird: Dabey ich denn diesen Zweck habe / daß der mehrere Theil der Zuhörer / denen es noch an der Wissen- sehafft und Erkäntniß / worinnen das wahre Christenthum eigentlich bestehet / ermangelt / durch solchen Weg recht gründlich unterrichtet werde / nicht allein von allen und ieden zum Christenthum gehörigen Stücken / sondern auch in solcher Ordnung / daß es eine ordentliche / gewisse und recht gegründete Erkäntniß werde; Und weil wegen der grossen Schwachheit der Menschen die Predigten nicht recht behalten / und die Bücher nicht recht gefasset und ( 275 ) verstanden werden / so habe ich erachtet / daß auff solche Art / der Sachen beqvemlich geholffen werde / indem auff solche Weise man nicht allein die Predigt hören / sondern auch das Capi­tel / so erläutert worden / selbst nachlesen / und sich dadurch der Predigt desto besser erinnern kan. Daneben auch dieses zu desto mehrer Erbauung dienen könte / daß dem Lästerer desto mehr das Maul gestopffet werde / wenn fürgegeben wird / daß man etwas neues auff die Bahn bringe / und man daraus sehen kan / daß nichts anders gelehret oder erfodert wird / als was dieser / und der Kirchen GOttes / so hochver­dienter Lehrer / an dem seine Lästerer schon lange zu schänden worden sind / und ( 276 ) ferner werden zu schänden werden / vor so vieler Zeit aus Gottes Wort gelehret hat. 11

§. 104. Da denn zum (4) die jenigen / welche des Vermögens sind / ihnen gewiß einen herrlichen Hauß-Rath schaffen werden / so sie ihnen solche Bücher / Johann Arnds / vom wahren Christenthum / kauffen. Wüsten viele / welch einen Schatz sie daraus für ihre ewige Seeligkeit zu hoffen hätten / sie würden sehen / daß sie es aus ihrem Munde erspareten / und ie eher / ie lieber / ihnen ein solch nützlich Buch zulegeten / absonderlich aber / da es nun auffs einfältigste erläutert wird / daß ich verhoffete / es solte es auch ein kleines Kind fassen / und also nicht ohne Lust und grossen Nu(^277Jtzen nachgelesen werden kan. 0 wie leget es uns doch GOTT so gar helle und klar vor Augen / so wir nun solches alles nicht achten / sondern bleiben in unser Unwissenheit und Boßheit / und fassen nicht einmahl einen ernstlichen Ge- dancken / wegen unser Seeligkeit / oder wie wir davon genug möchten unterrichtet werden / wie wollen wir denn dem Zorn GOttes entfliehen?

§. 105. (5) Diejenigen aber / welche Armuth wegen das Buch selbst nicht kauffen können / werden doch auch nicht versäumet / sondern haben des vorigen Tages in der ordentlichen Bet-Stunden den Vortheil / daß das gantze Capitul aus dem ermel- deten Buche öffentlich ( 278 ) fürgelesen wird / und zugleich kürtzlich angezeiget / was in der folgenden Predigt solle fürgetragen werden / und wie nöthig und nützlich ihnen dieselbige Sache sey. Wie nun einem jeden frey stehet / solcher Zubereitung zu der folgenden Predigt mit beyzuwohnen / also hat ein jeder ihme selbst die Schuld bey- zumessen / so er aus der Predigt selbst sich noch nicht genug zuvernehmen wüste. Doch haben wohlgesinnete und die auff einmahl nicht alles fassen können / aber doch ein hertzliches Verlangen tragen / einen rechten gewissen Grund ihres Christenthums zu legen / sich hierinnen nicht zu irren / sondern nur GOtt desto demüthiger üm

11 Johann Arnd (15551621), Pfarrer in Badeborn, Quedlinburg, Braunschweig und Eis­leben, seit 1611 Generalsuperintendent in Celle. SeineVier Bücher vom wahren Christen- thumb (I. Buch, Frankfurt 1605, Buch IIV, Magdeburg 1609f.) wurden zur meistgelesenen Erbauungsschrift der evangelischen Kirche. Francke kannte das Werk von frühester Jugend an und hat es immer wieder als beste Lektüre neben der Bibel empfohlen (vgl. vorl. Ausg., S. 106). Entwürfe oder Nachschriften der Predigten über dasWahre Christentum sind nicht nachweisbar.