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II. Schriften zur kirchlichen Reform
meine folgenden Tages vorgetragen werden soll / und die Nothwendigkeit und Nutzbarkeit solcher Materien / auch wie man sich zu deren erbaulichen Betrachtung heil- samlich zubereiten könne / (285) aufs kürtzeste angezeiget / und geschiehet auch zugleich im Gebet solche Zubereitung zu der folgenden Sonntags-Feyer; Insonderheit aber wird so wohl Ermahnung als Gebet für die jenigen / welche zur Beichte gewesen sind / und folgenden Tag zu communiciren gedencken / hinzu gethan. (8) Wird des Sonntags in der Nachmittags Bet-Stunde ein Psalm oder Capitul / so sich auff den- selbigen Sonntag schicket / gelesen / das Gepredigte aufs kürtzeste wiederholet / und angezeiget / wie man nun in der gantzen bevorstehenden Woche zum Trost / Stär- ckung und gottseligen Wandel / solches alles durch GOttes Gnade anzuwenden habe; Da denn auch im Gebet (286) GOtt für die geistlichen Wohlthaten desselbigen Tages erzeiget hertzlich gedancket / Er üm die Versiegelung seines Göttlichen Worts an- geruffen und üm seinen fernem Göttlichen Segen über die Gemeine / ja über die gantze Stadt und Land und die werthe Christenheit angeflehet wird / und also zu der gantzen Woche durchs Gebet eine Christliche Zubereitung geschiehet. Eben also verhält sichs auch / wenn ein Fest-Tag einfället / so viel sich nehmlich von dem siebenden und achten Punct dahin schicket. (9) Des Donnerstags in der Nachmittags Bet-Stunde / wird vorjetzo / da die Freytags-Predigten nach der Anleitung des wahren Christenthums Jo(287)hann Arnds gehalten werden / das jenige Capitul / welches folgenden Tages soll erläutert werden / öffentlich fürgelesen und kürtzlich angezeiget die Nothwendigkeit und Wichtigkeit der vorhabenden Materie; auch wird im Gebet GOTT fürgetragen / daß er die Hertzen selbst zur heilsamen Anhörung seines Worts zubereiten wolle. (10) Werden des Freytags in der Nachmittags Bet- Stunde / oder auch des Sonnabends frühe die jenigen / so zur Beichte gehen wollen / zur wahren hertzlichen Busse angemahnt / und im Gebet GOTT dem HErrn fürgetragen. (11) Dergleichen Veränderung einiger Umstände bringen auch mit sich der Anfang und Beschluß der (288) Wochen und der Tage / die einfallenden Buß-Tage / und was dergleichen mehr ist / da so wohl die Ermahnung / als das Gebet / und die Dancksagung darnach gerichtet werden. (12) Was sonsten den allgemeinen Innhalt des Gebets und die Sachen / welche ordentlicher Weise GOtt fürgetragen werden / betrifft / mag dieses folgende Gebet zu einem Exempel dienen / welches ich ja nicht begehre jemanden aufifzudringen / wie ich denn weder mich noch andere / daran verbinde / sondern nur / weil es von einigen hertzlich verlanget worden / solches mit- zutheilen kein Bedencken tragen darflf:
(302) §. 111. Bey diesem allen können solche Bet-Stunden desto leichter abgewartet werf303jden / weil sie so kurtz als immer möglich (nehmlich wo das Catechismus- Examen nicht ungefähr eine Viertel-Stunde dazu thut / gewöhnlich 2. biß 3. Viertel Stunden lang / gehalten werden / welche kurtze Zeit ja ein jeder gläubiger Christ mit Freuden seinem GOtt und Schöpflfer zu Ehren auflfopfifern wird.
§. 112. Und zwar muß ich euch dißfals / meine Geliebten Pfarr-Kinder / den Segen von GOTT zuschreiben. Denn da ich bey Antretung meines Amts nur in meinem Hause / üm die besondere Pflicht eines Predigers / daß er seinem Hause wohl fürstehen soll / nicht zuversäumen / mit meinen Hauß und Tischgenossen dergleichen Bet-Stunde ange(304) fangen / und weiters kein Absehen hatte / auch auff diese Art es den Sommer durch mit einfältigem Hertzen fortsetzetet; Da funden sich nach und nach einige von euch / welche ohne mein Gesuch oder Geheiß solchen meinem Morgen- und Abend-Gebet beyzuwohnen verlangen trugen; Da ich denn niemanden in seiner Andacht hindern / sondern vielmehr dem HErrn zu mehrer Gnade befehlen wolte / biß eurer bey solchem meinem Gebet so viel wurden / daß es einigen als