3. Projekt zu einem Seminario universali, 1701
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von Ihm erbitten, und inzwischen im Glauben, in der Liebe, und in der wahren Heiligung ihrer Seelen, täglich zuzunehmen, von Hertzen trachten. 9. Daß an eben demselbigen Orte, wo diese Seminaria schon zu einem so feinen Anwachß gedyen, auch andere getreue Knechte Gottes sich befinden, welche zwar nicht eigentlich an diesem Wercke mit arbeiten, sondern in andern wichtigen Ambtern stehen, aber mit denen, so eigentlich an dem Werck arbeiten, in hertzlicher Liebe und Verbindung, und in einer völligen Harmonie leben; daher denn an Demselbigen Orte an der gesunden Weide des Götti. Worts so viel weniger Mangel ist und durch das zusammenstimmende Zeugniß unterschiedlicher treuen Arbeiter so viel mehr ausgerichtet werden kan, auch so viel herrlicher alles mit zusammengesetzten Gebeth, gutem Rath, Christlicher Weißheit und Fürsichkeit angefangen werden kan. Daß auch zum 10. so wol diejenigen so am Werck arbeiten, als die übrigen an selbigem Ort sich befindenden Lehrer gnugsame lebendige Siegel ihres Ambts und ihrer Arbeit von Gott aus Gnaden erlangt, also daß man nicht Ursache hat zu zweiffeln, ob Gott auch ferner ihren Dienst seines Seegens würdigen wolle. Daß auch 11. ( 35 b ) eine solche Gemeinde wahrer Gläubigen Christen und lebendiger Steine am Hause Gottes sich an demselbigen Orte befindet, daß es an täglicher Erbauung, und dem darunter zu hoffenden fernem Seegen Gottes durch die Barmhertzigkeit des Herrn nicht ermangelt. Daß auch 12. an eben demselbigen Ort eine ziemliche Menge der studirenden Jugend sich auffhält, welche noch darzu mit großer Sorgfältigkeit zum Werck des Herrn zubereitet werden, daher man weder diejenigen weit suchen darff, aus welchen, als Pfiantzen solche Seminaria anzurichten, noch sich zu befürchten hat, daß man zu deren Wartung, gehörigen Pflege und Erbauung keine tüchtige Arbeiter werde finden können, in Betrachtung, daß man ja von demselbigen Orte bißhero so vielen andern Orten die Arbeiter hat mittheilen müssen, ungeachtet man stets wohl 60 Arbeiter und mehr, bey dem Angelegten Werck selbst bedurfft hat. Sonst ist gewiß, daß an den Arbeitern am meisten gelegen, und offt bey den allerbesten Consiliis es daran fehlet. Da nun an selbigen Orte die Arbeiter selbst zubereitet werden, so wird damit die größte difficultät gehoben. Daß auch 13. solches angelegte Werck schon in und auserhalb Teutschlandes viele Liebhaber und Wohlthäter gefunden, welches daraus abzunehmen, daß alles mit Sieben Sechzehn Groschen Stücken angefangen ist, * 8 und innerhalb 6. Jahren schon auff 40000 Thlr. dazu einkommen, und theils consu- miret, theils zu nöthigen Mobilien und Immobilien, wie auch zu Anlegung einiger dem Wercke zuträglichen Corporum, als Buchladen, Apothecke, verwen^ö^det sind: Welches Geld alles pur und allein dazu verehret worden, und zwar also, daß man bey Anlegung des Wercks weder ein Capital in den Händen gehabt, noch zu Erlangung einiger Gelder die allergeringste Menschliche Versicherung da gewesen; wie auch auff gleiche Weise ein Gebäude dazu angeleget worden, bey dessen Grundlegung man kein Capital gehabt noch gewusst, und doch nun so weit vollendet worden, daß es die Armen zum theil schon fast ein Jahr lang zu gemessen gehabt, und in gar wenigen Monaten mit Gottes Hülffe völlig beziehn werden, 9 wie es denn wegen seiner Räumlichkeit bereits 11000 Thlr. gekostet, ob man wol alle unnöthige Kostbarkeit vermieden. Daß auch 14. an eben demselbigen Orte sich noch andere gar herrliche Gelegenheit findet, und, im Fall Gott ferner das Werck dergestalt erweitern sollte, daß man auch die oben gemelte Seminaria daraus zum völligen Stande bringen könte, schon Raum, Gelegenheit, ja ein gantzes, gleichsam expresse darzu gebauetes Hauß
8 Vgl. Fußstapfen, vorl. Ausg., S. 33 f.
8 Ostern 1700 konnte das Haus teilweise bezogen werden. Ostern 1701 war es vollständig
eingerichtet (vgl. Fußstapfen, vorl. Ausg., S. 41).