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III. Pädagogische Schriften
innen etwas weit kommen / und sie nun eine ziemliche Anzahl Sprüche gefasset / wird es auch nicht so gar grosse Mühe kosten zu zeigen / wie in dem gantzen Werck unserer Seligkeit solche Sprüche zusammen hangen / daß sie fast mit lauter Worten der Schrillt den gantzen Grund ihrer Seligkeit ordentlich und verständlich lernen fürtragen. Wodurch man fernere Gelegenheit krieget / sie auff den Nutzen solcher göttlichen Lehre zu führen / und zu einer Tüchtigkeit zubringen / selbst den Grund ihrer Hoffnung anderen mit klahren Worten fürzutragen. In Summa / wenn der Informator selbst seine Lust hat am Gesetz des Herrn Tag und Nacht / und das Wort GOttes suchet in sein Leben zu verwandeln / wie man die Speise in Fleisch und Blut verwandelt / wie Lutherus redet / 10 wird es ihm nicht schwer fallen / seiner anvertrauten Jugend mit Lust und Liebe diesen lebendigen Saamen auff alle mügliche Art und Weise ins Hertz zu legen. Wo aber in diesem Stück der Fehler am Informa- tore ist / so ist die Jugend übel verwahret.
(125*) VIII.
IV. Mit Lesung der heiligen Schrifft sind zwar einiger maasen verknüpftet die fleißigen Ermahnungen / doch ist hiervon etwas absonderlich zu melden / als von einem besondern Mittel / davon Paulus Eph.6. schreibet: Ziehet die Kinder auff in der Zucht und in der Vermahnung zum Herrn. * 11 Und zwar hierzu wird erfordert (a) daß sie deutlich und verständlich / damit sich die Kinder fein recht und eigentlich darnach zu richten wissen / fürgetragen werden. ( ’ß) Daß sie nicht mit Ungestümm und Pochen / sondern mit Sanfftmuth und Lindigkeit für gebracht werden / es sey dann / daß solches schon öffters geschehen / und die Umstände eine ernsthaffte / doch nicht verstellete Mine erfordern wolten. Sonst werden die Kinder gleich anfangs durch ein ungestümes Bezeugen erschrecket / daß sie die Ermahnung darnach nicht so eigentlich fassen / oder zum wenigsten nicht mit so gutem Willen auffnehmen. ( y) Muß mann in solchen Ermahnungen nicht ermüden. Denn man soll nach der Vermahnung Pauli die Kinder in der Zucht und Vermahnung zum HErrn aufferziehen / welches nicht mit einer oder der andern Ermahnung gethan ist. Erinnert doch Paulus die Erwachsenen / daß sie sich xaiV ex dorr/v rjfiEQav , alle Tage untereinander ermahnen sollen / damit nicht jemand unter ihnen verstocket werde durch Betrug der Sünde Hebr. III.13. Wie solte solches nicht auch bey der unerfahrnen Jugend nöthig seyn. So der Informator nur hierinnen Verstand gebrauchet / mag Er wohl auff so vielerley Art die Ermahnung einrichten / daß den Kindern solche öfftere Ermahnung nicht verdrüßlich wird / und sie auch dieselbe nicht ohne Auffmercksamkeit und Erbauung vorbey streichen lassen, (d) Ist auch daran viel gelegen / daß ein Informator die rechte Zeit zuermahnen wohl beobachte, e. g. ist die Morgen und Abend-Zeit hierzu sehr bequehm. Jene weil das Gemüth noch nicht ermüdet ist; diese weil man da die beste Gelegenheit findet / ihnen fürzuhalten / worinnen sie es des Tages über versehen / dahin auch die Beschliessung einer jeden Woche gehöret. Ingleichen wann die Kinder scheinen ein recht gut Hertz und Vertrauen zu ihrem Informator zufassen / und selbst in einem frischen und aufgeräumten Gemüthe seyn / findet man offt schöne Gelegenheit ihnen eine gute Lehre beyzubringen. (s) ist auch sehr nützlich / daß man seine Ermahnungen auff die heilige Schrifft gründe / damit die Kinder
10 Das Zitat konnte in dieser Form nicht nachgewiesen werden. Eine ähnliche Formulierung findet sich in der Kirchenpostille, Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd.15, 1828, S.344 (dort als späterer Zusatz gekennzeichnet, der in der Ausgabe von 1527 fehlt, vgl. WA 17, II, 440).
11 Eph. 6,4.