III. Pädagogische Schriften

dem Nabal 20 ein Exempel eines geitzigen und groben Mannes / an dem Joseph ein Exempel eines lieben und wohlgezogenen Kindes durch klare Kennzeichen fürstel­len wolte / 21 wüi(127*)de die Historia von beyden Gelegenheit gnug dazu geben. Gewiß ist es / wann ein Informator hiermit klüglich umbzugehen weiß / kann Er denen Kindern durch solche lebendige und exemplarische Fürstellung einen solchen Abscheu gegen die Laster / und eine solche Liebe zur Tugend erwecken / daß sie nicht mehr wünschen / als jenen gar nicht / dieser aber in allen Stücken gleich zu seyn / und mögen sie darnach auch desto leichter erinnert werden / wenn man sie nur auif die Exempel Josephs etc. zurücke weiset. Es wird auch solche Anweisung dem Lehrenden selbst nicht wenig zustatten kommen / sondern Ihm zu vieler Erkäntnüß und Besse­rung gereichen / und ihn auch zu anderer / insonderheit der Einfältigen Erbauung nicht wenig tüchtiger machen. Hierzu aber dienet nicht wenig / wann die jenigen Exempel im gemeinen Leben auff solche Art und Weise beobachtet werden / welche den Kindern unvermuthet zu Gesichte kommen / e. g. wann sie einen trunckenen sehen / mag ihnen durch eine geschickliche Fürstellung wol ein Abscheu für einem solchen Laster erwecket werden. Ja wenn auch bey den Kindern selbst sich nur ein Anfang der Tugenden oder Laster in äusserlichen Bezeigungen blicken lässet / kann dieser Vortheil angewandt werden. Insonderheit kann man ihnen ihre Laster zuwieder machen / wann man sie mit solchen Farben abmahlet / darinnen sie sich fein deutlich getroffen finden / und sich für sich selbst schämen können. Doch ist hierinnen gewiß­lich guter Verstand zugebrauchen. Wann die Tugenden sich in einem gewissen Kenn­zeichen bey ihnen herfür thun / hat man sie / so viel möglich / unvermerckt darinnen mit allem Fleiß zustärcken / und ihnen desto lebendiger fürzustellen / wie fein die Beschaffenheit ihres Gemüthes seyn werde / wann sie sich dieser Tugend von Hertzen ergeben werden / und welches als dann ihre Bezeugung seyn würde. In solcher Zeit / da das Gute recht beginnet hervor zubrechen / hat man sich insonderheit wohl zu hüten / daß man weder durch unzeitige Bestraffung das anglimmende Gute wieder ersticke / noch durch frühzeitiges Lob die Kinder auffblehe / sondern das Gute in seinem Wachsthumb bestens befördere. Darinnen Paulus in seinen Briefen ein klares und herrliches Exempel für Augen leget / wann er das angefangene Gute in denen Christen ferner zu erwecken gesuchet / in dem Er bezeuget / wie Er GOtt dafür dancket / daß er ihnen seine Gnade wiederfahren lassen / daß er hoffe / sie werdens nun auch bey dem Anfänge nicht lassen / sondern GOtt werde in ihnen das Gute voll­enden / und sie werden biß an ihr Ende be(128*J ständig verbleiben / wie er deswegen GOtt anruffe / und sie selbst auch Ursach hätten zu beten. Phil. I, Eph. I, Col. I. &c. 22

X.

VI. Verheissungen und Drohungen seynd auch jede zu gehöriger Zeit nöthig / doch sind allein die Verheissungen dem wege des Evangelii gemäß / und müssen demnach solche allen Drohungen sehr weit fürgezogen werden / als davon auch weit grössere Frucht zu hoffen ist. Darbey aber (1) wohl inacht zunehmen / daß man nicht etwa die Kinder mit erdichteten Dingen oder Umständen auffhalten und betriegen möge. Man darff der Kindheit keine Phantastische Conceptus eingiessen / sie ist ohne dem darzu geneigt. Ein anders ist es / daß man sich ihrem schwachen Verstände accommo- diret / und eine ernsthaffte Sache fein lieblich und anmüthig fürstellet / aber wann

20 Vgl. 1. Sam. 25,1 ff.

21 Vgl. 1. Mose 37 ff.

22 Vgl. Phil. 1,3f.; Eph.I,15f.; Kol.l,3f.