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III. Pädagogische Schriften
Lindigkeit in das Verderben mit hinein stürtzen wolle, etc. (<5) Daß man des Warnens auch nicht gar zu viel mache / und es nur darbey bewenden lasse. Sonsten Werdens die Kinder endlich gewöhnet / und nehmens nicht zu ihrer Besserung an. (e) Daß er einen guten Unterscheid halte zwischen den Gemüthern. Einige lassen sich allein durch Verheissungen ziehen; bey anderen wollen die Verheissungen nichts verfangen. Für allen Dingen aber hat (130*) man in allen diesen dahin zu sehen / daß ihr Hertz recht erwecket werde / der Wirckung der göttlichen Gnade Platz und Raum zu geben / und daß man solche Wirckung nicht verhindere. Denn wo dieses erhalten ist / gehet es weit über alle Zucht und Lehre.
XI.
VII. Ein sehr grosses würde auch zu Einpflantzung der wahren Gottseligkeit bey- tragen / wann man wohl auff seiner Hut seyn würde / daß man nicht aus Unverstand und Unvorsichtigkeit der Jugend zu Annehmung einiger Laster Anleitung gebe. Es ist fast keine Aufferziehung so gut / da es nicht in diesem Stück öffters hauptsächlich versehen wird. Zum Ex. wenn die Eltern sehen / daß ein Kind etwas nicht essen wollen / und sie sagen denn zu dem Kinde / siehe ich will es dem Hunde oder Katzen geben / und suchen es dadurch zum essen zugewehnen / was thun sie anders / als daß sie in den jungen Hertzen den Neid und die Miß-gunst rege machen? oder wann man die Kindern mit neuen Kleidern schmücket / und sie dann lobet: Wie ihnen solches so herrlich anstehe; Wie sie so schön darinnen sind: Wenn sie fromm seyn / daß man sie dann auch schöne putzen wolle etc. Was thut man anders / als daß man den unschuldigen Hertzen den Hoffarts-Geist gleichsam mit Gewalt einpräget. Und muß man sich verwundern / wie so gar bald die Kinder dieses fassen / sich Selbsten an-' fangen zu beschauen / die alten Kleider hassen / die neuen nicht gerne von sich legen / und was dergleichen Phantasey mehr ist. Wann die Kinder fallen / oder sonst etwa schreyen / und man sagt: Schlage diesen oder jenen: oder schlage die Erde etc. Was thut man anders / als daß man die Kinder lehret / wie sie durch Rachgier ihr Müth- lein kühlen können? Wann man den Kindern Spahr-Büchsen giebet / und lehret sie mit Ernst darüber halten / daß sie ja nicht davon ausgeben. Was lehret man sie damit anders / als den Geitz unter dem Mantel der Sparsamkeit / darunter sich alle Geitzige verbergen? Wie bald werden da die Kinder das Geld lernen liebgewinnen / und für ein grosses Gut achten? Sagen dann noch dazu die Eltern: Ja dieser und jener ist reich genug / und hat Geld / Er hat keine Noth / darff nur seine Hand in den Schooß legen / und kann doch wol leben / und lassen sich also mercken / daß sie den Reich- thumb für etwas Hochschätzbares achten / werden sie bald sehen / daß sie ihr Kind darinnen zu einem Nachfolger haben. Eben so gehet es auch / wann man in Gegenwart der Kinder von einem wollüstigen Ee(131*)ben / von Ehre dieser Welt und andern zeitlichen Glückseligkeiten mit einiger Hochachtung redet / wie übel wird dann denen Kindern bey zubringen seyn: Trachtet am ersten nach dem Reich GOttes / und nach seiner Gerechtigkeit / so wird Euch das andere alles zufallen. 26 Und so wird wol nicht ein einig Laster seyn / das nicht auff solche Art gantz unvermerckt denen Kindern eingeflößet werde / da die Eltern wol sich einbilden / daß sie in allen Stücken die Reguln einer Christlichen Aufferziehung beobachten. Daß man demnach dieses wohl unter die unerkannten Sünden rechnen möchte / welche GOtt hertzlich abzubitten / als welche sehr viel Eltern / Informatores und Fürgesetzte zu ihrer Kinder und Untergebenen Verderben ihnen gar sehr häuffen / und sich dadurch des schweren
26 Matth. 6,33.