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III. Pädagogische Schriften
Wort GOttes zum Spiel und Schertz / und will darnach weder in Lehre / noch Ermahnung / noch Trost bey ihnen ausschlagen.
(3) Wann man wohl acht hat / daß die Kinder auch nicht die geringste Lügen selbst von sich hören lassen / es scheine auch so gering es immer wolle. Wann die Kinder verschlagen sind / pflegen sie auch so künstlich zu lügen / daß sich auch Erwachsene drüber verwundern müssen. Solches wird dann erzehlet / und darüber gelachet / daß es die Kinder anhö(T33*,)ren. Da kan es dann nicht wohl anders seyn / die Kinder werden in solcher Boßheit gestärcket / und meynen noch wohl / daß sie vor andern ein besonders Lob darinnen verdienen. Gehorsam ist die eigentliche Tugend / welche denen Kindern in heiliger Schriflt mit hinzugesetzter Verheißung anbefohlen. Darzu ist aber nöthig (a) daß man denen Kindern nicht gestatte / daß sie diß und das nach ihrem eigenen Gefallen und Gutdüncken vornehmen mögen / sondern sie darzu anhalte / daß sie sich zuvor des Gutachtens ihrer Eltern und Fürgesetzten versichern. Wie man hierinnen die Kinder gewehnet / so kann man sie haben / und wann man sie in geringen Dingen von ihrem eigenen Vorwitz abführet / dann kostets hernach in wichtigen Dingen desto weniger Mühe / ihren Willen zubrechen. (ß ) Daß man sie nicht allein in der Stunde / da sie informiret werden / zum Gehorsam anhalte / und ihnen hernach den Zügel wieder frey schießen lasse. Denn so wird gewiß niemahls ein rechter Gehorsam von ihnen erhalten werden. Können sie aber nicht immer bey dem Informatore seyn / sind Christliche Eltern / und andere / die mittler Weile sie umb sich haben / dißfals ihrer Schuldigkeit zuerinnern. Wiewohl es freylich hierinnen gar sehr fehlet / und die Unachtsamkeit der Eltern oflt so groß ist / daß sie ihnen ihre eigene Kinder in Ungehorsam zu den Häupten wachsen lassen / und endlich mehr ihren Kindern gehorchen müssen / als sie ihnen pariren wollen. (y) Daß man die Kinder nicht als Juncker und grosse Herren tractire / wie im Gegen- theil auch dem Gesinde nicht gestatte / daß sie anders als bescheidentlich sich gegen die Kinder verhalten. Auff beyden Seiten ist es schädlich / wann hierinnen nicht die Mittel-Strasse gehalten wird. Derowegen müssen die Kinder gewehnet werden / nicht allein ihren Eltern und praeceptoribus Gehorsam zu leisten / sondern auch ihres gleichen / und geringem / wie Paulus einen solchen Gehorsam von allen Christen erfordert / daß sie sollen untereinander unterthan seyn in der Furcht GOttes Eph. V. 28 Ja dieses ist der rechte Christliche Gehorsam / daß der Grosse dem Geringem dienet / wie der Heyland ein Exempel gegeben / da Er seinen Jüngern die Füsse gewaschen Joh. 13. 29 Und Jacobus bezeuget / daß der Glaube an JEsum CHristum / den HErrn der Herrligkeit / kein Ansehen der Person leide / 30 ob wohl der hoffärtige Welt-Geist sich hierwieder gewaltig sperret / und gleich meynet / man wolle die Stände auff- heben / oder ineinander mengen / welches doch keines weges gemeynet oder inten- diret wird. Eine Mutter bleibet Mutter / ob sie gleich ih(134*) rem Kinde den verächtlichsten Dienst leistet. Werden dann die Kinder angehalten allen zufolgen / wann es der Ehre GOttes nicht zu wieder ist (wie auch im Gegentheil niemanden zufolgen / wenn es der Ehre GOttes zu wieder lauflt) so werden sie dadurch zur Freund- ligkeit / Willfährigkeit / Demuth / Bescheidenheit und andern dergleichen wohlanständigen Tugenden angeleitet. Da hingegen / welche in ihrer Kindheit als Junckern gehalten sind / oflt erst noch in ihrem Alter mit grosser Mühe lernen müssen allen Gehorsam zuleisten. Damit man aber an der andern Seiten nicht zuweit hinaus falle / muß man auch gute Auflsicht halten / daß nicht das Gesinde sich einer Herrschafft
28 Eph. 5,21.
29 Joh. 13,4 ff.
30 Jak. 2,1.