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III. Pädagogische Schriften

dann auch zu unserer Zeit verständige Mathematici nicht unbillig gerathen haben. Man darff auch nicht einwenden / daß Mathesis für die Kinder zu schwer seye. Denn man das schwerere / und was in demonstrationibus und Rechnungen bestehet / frey- lich biß auff reiffere Jahre zu sparen hat / hingegen sich genung finden wird / ( 136 *) darinnen die Kinder mit Lust und Vergnügung / und ohne Kopff-Brechen mögen angewiesen werden / und siehet man ohnedem an den Kindern / daß sie von sich selbst immer etwas zu bauen und zu arbeiten vornehmen / welches ja leichtlich von einem Informatore auff etwas nützliches kann geführet werden. Mit zunehmen­den Jahren können die Kinder auch zur Astronomie mit ihrer Vergnügung angeführet werden / daß sie sich über die Weißheit / Allmacht und Unendlichkeit GOttes ver­wundern lernen / als welche sich in der Größe / in der Menge und in der Ordnung der himmlischen Cörper / herrlich zu erkennen giebet. Desgleichen können die Mappae Geographicae in ihren Ruhe-Stunden gebrauchet werden / und wird ihnen gar angenehm seyn / wann nur einige manuduction vorhergegangen / daß sie sich selbst unter einander fragen mögen / wie die Welt eingetheilet werde / und in welche Länder und Reiche sich ein jegliches Theil der Welt wiederumb vertheile / welches darinnen die vornehmsten Städte sind / und wo sie gelegen etc. Ja wenn man auch die Kinder solte aufs Feld / in den Garten oder sonsten spatziren gehen lassen / wird der Infor­mator durch seine Gegenwart auch solches wissen also einzurichten / daß die Gott­seligkeit dadurch nicht gehindert / sondern vielmehr befördert werde. Denn weil wir hier von Einpflantzung der Gottseligkeit handeln / ist dieses vornemlich nothwendig zu erinnern / daß alle Erhaltung der natürlichen Kräffte also müsse beschaffen seyn / oder von dem Informatore in die Wege gerichtet werden / daß sie jener nicht nach­theilig seye. Bey denen gar kleinen Kindern / mit denen man etwas wichtiges nicht vornehmen kann / mag es gnug seyn / wann man nur solche Dinge zu ihrer Abwechse­lung gebrauchet / dadurch sie in der Stille des Gemüthes erhalten werden / e. g. wann man ihnen Feder / Dinte und Papier giebet / daß sie darmit spielen mögen / sie aber auch gewehnet / daß sie die Buchstaben kennen lernen / und nennen / wie denn Exempel sind / daß sehr kleine Kinder / so kaum die Buchstaben aussprechen kön­nen / auff solche Art in 8. Tagen das ABC fertig gelernet; oder wenn der Informator nicht morosus ist / und mit denen Kindern / so gut / wie sie es auff das beste fassen mögen / öffters ein vertrauliches Gespräch hält / von GOtt und göttlichen Dingen / von dem ewigen Leben und dessen Herrligkeit etc. Wie denn in der ersten Kirchen / die Christliche Mütter ihre Kinderlein auff dem Schooß / als in der lautern Milch des Evangelii angewiesen / daß auch die zarten Kinder darnach mit Freudigkeit sich umb des Nahmens CHristi willen hinrichten lassen. ( 137 ) Wann also auff diese und andere Art und Weise die Kinder von allem Müssig-gang abgewehnet werden / als welchen man ihnen auch als ein greuliches Laster fleißig fürzustellen hat / und es hingegen nicht anders gewöhnet sind / als daß sie alle Zeit und Stunden mit nützlichen Dingen hinbringen / und zu GOttes Ehren anwenden können / wissen sie es darnach nicht anders / und Werdens auch nicht leicht anders verlangen / ja der Müssiggang wird ihnen verdrießlich seyn / weil sie darinnen nicht viel derselben Lust und Vergnügung finden / dazu sie bereits von dem Informatore gewehnet sind. Einige pflegen auch hierzu die Music zu rathen. Weil aber aus der Music insonderheit in jungen Jahren auff Schulen und Universitäten viele Gelegenheit zu einem liederlichen Wesen ent­stehet / und mehr zur üppigen Welt-Lust / als GOtt zu Ehren angewandt wird / haben Eltern und praeceptores sich wohl fürzusehen / daß sie nicht denen Kindern dadurch einen Strick legen / darüber sie in reiffern Jahren fallen / oder sich darinnen verwickeln möchten. Wie leider! die Erfahrung bezeuget / daß es von den meisten geschehe. Die jenigen Informatores und Eltern aber / welche ihren Kindern durch