III. Pädagogische Schriften
conversation gegeben wird. Dieser gefahr kann aber füglich begegnet werden / wenn man für allen Dingen sie fleissig erinnert / wie an diesen Jahren fürnemlich ihre Wohlfahrth hange / und in welcher Gefahr sie ihrer ( 142 ) verderbten Natur wegen stehen / und darnach auch ihnen Gelegenheit zu guter und erbaulicher conversation giebet / sie von aller kindischen Gesellschafft abführet / und so viel möglich / mit Erwachsenem / als sie sind / doch aber auch Frommen und GOttesfürchtigen umb- gehen lässet.
XV.
XI. In diesem allen ist höchst-vonnöthen / daß man alles Gute / so zum Christen- thumb und einer wahren Gottseligkeit gehöret / suche denen Kindern mit Lust und Liebe beyzubringen. Denn sonst möchte man wol etwa von ihnen erhalten / daß sie aus Furcht den äusserlichen Schein eines gottseligen Wesens annehmen / aber die wahre Krafft werden sie nie durch den Zwang ins Hertze fassen. Dieses ist aber nicht dahin zu deuten / daß die Kinder das Christenthumb für ein Spielen achten sollen / oder nur obenhin tractiren mögen / wie sie denn ohnedem zu einen fiatterhafften Wesen geneigt sind / sondern es kann wohl beysammen stehen / daß man eine Sache zwar mit Ernst / doch auch mit Annehmlichkeit und Leichtigkeit fürtrage / gleichwie es auch nicht streitet / daß man etwas ernstlich und doch mit Lust und Liebe ausrichte. Damit aber dieses desto besser erhalten werde / ist nützlich daß man (1) denen Kindern nicht gar zu lange Bücher fürlege / sondern so kurtz als immer möglich / denn so verlieren sie nicht so leicht die Lust / wenn sie bald zuende kommen / und etwas neues kriegen.
(2) Daß man ihnen die Christliche Lehre in Teutscher Sprache fürtrage / und sie dieselbe aus Teutschen Büchern lernen lasse / denn sonsten kriegen sie auch leichtlich einen Verdruß an Christenthum / und haben nicht so wohl acht auff die Lehre / als daß sie nur die Worte / obwohl ohne Verstand hersagen können.
(3) Daß man sie auch nicht garzusehr überhäuffe. Ein Informator muß hierinnen seyn / wie ein verständiger Säemann / welcher nicht einen Saamen über den andern streuet / und durch den obersten den untersten ersticket / sondern vielmehr den / welchen er einmahl gestreuet / auffgehen und fruchtbringen lässet. Viele meynen / ihre Kinder und Untergebene sind sehr beschlagen im Christenthumb / wenn sie viel gelesen / gelernet / und auswendig hersagen können / da doch mannichmahl von dem ersten Spruch sich noch nicht die geringste Frucht gezeiget.
(4) Daß der Informator sich nicht mürrisch / zornig / oder verdrüßlich und unge- dultig / sondern vielmehr liebreich und freundfl 43 ) lieh in der Information und übrigen Anführungen gegen die Kinder erweise. Denn es ist hoch-vonnöthen / daß die Kinder selbst einen Muth und Hertz zu ihrem Informator fassen / und daß er von ihnen geliebet werde. Doch wird ein verständiger Informator sich auch leicht inacht zu nehmen wissen / daß nicht eine unziemende Familiarität daraus werde / sondern Ernsthafftigkeit und Leutseligkeit sich einander die Hand bieten. In Summa / soll in solchen zarten Hertzen Glaub und Liebe / und also das rechtschaffene Wesen / das in JEsu ist / erwecket werden / müssen sie gewiß durch die Lieblichkeit des Evangelii / und nicht durch die Strenge des Gesetzes dazu angeleitet und angeführet werden.
XVI.
XII. Einige sind der Meynung / man soll die Kinder nur bloß durch liebreiches Ermahnen zurechte bringen / und wollen nicht gestatten / daß man sie mit Ruthen / oder sonst etwas scharff züchtigen solte / wenn die Worte nicht hinlänglich scheinen. Die Erfahrung ist aber hierinnen der beste Lehrmeister / daß man die Ruthe nicht