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IV. Schriften zum Studium der Theologie

Theologia, in Kirchen und Gemeinden dadurch entstehe / ja biß dahin entstanden seye: sonderlich wo übelgesitteten und schlim-gelehrten Leuten / wie er redet / das purpurfarbige Paret aufgesetzt / und solche zu vornehmen Superintendenten und dergleichen Stellen befördert worden seyen: wie dieselbe nachmahl über ihre an­befohlene Prediger und Gemeinde geherrschet hätten: wo er schreckliche Händel / aber wie er versichert / wahrhafftig geschehene Dinge erzehlet / dero wir uns gewiß­lich schämen müssen / alles solches aber der übein Bewandnüß und Mangel der Zucht auf den Academien zuschreibet. Ach würde an die nothwendige Göttliche Erleuch­tung an solchen Orten fleissiger gedacht / wie würde es solches (21) Klagens nicht bedörffen. Das bedencke man. Wer nun ein rechter Gottwolgefälliger Studiosus, insonderheit Theologiae Studiosus werden will / der muß von dem gemeinen Studen- ten-Leben gantz und gar ausgehen / und an statt der Studenten-Reguln / die Reguln Christi für sich nehmen / und es nicht achten / daß er von dem übrigen rohen Hauffen darüber verachtet / verlachet und verspottet wird. Wem das nicht anstehet / der lasse das Studium Theologicum liegen / oder er wird dermahleinst nicht GOtt / sondern dem Satan dienen / und mit demselbigen gleichen Lohn empfahen.

Timotheus wüste von Kindauf die Heil. Schrifft 2. Tim. III. v. 15. Dieses gilt allen Menschen / aber fürnehmlich euch / ihr Studiosi Theologiae. Sölten sich wohl nicht (22) viele finden / welche ihr Lebelang die Heil. Schrifft nie / zu geschweigen mit Bedacht durchgelesen. Woher kommets? auf Schulen ist man mehr um allerley heydnische Bücher / als um das theure Wort Gottes bekümmert. Wendet man ja noch etwa gleichsam Schande halber eine Stunde auf das N. Testament / so ge- schiehet es doch mehr um der äusserlichen Wissenschafft willen der Sprache / welche sonst an sich auch nicht zu verachten / als daß man die Jugend zu einem lauteren Grunde des wahren Christenthums anweise. Sehen Praeceptores diesen Fehl und wollen ihn gern verbessern / so können sie wohl damit nicht einmahl durchtringen. Daher bleiben die heydnischen Dinge in den Schulen das soyov oder Haupt-Werck / und Gottes Wort das 7ia,Q(23)eQyov oder Nebenwerck. Daher kommen die meisten von Schulen / und wissen noch gar nicht / wie sie mit Gottes Wort umgehen sollen / zu geschweigen / daß sie selbst den gantzen Grund ihrer Seligkeit mit allem Fleiß daraus solten erlernet haben. So lange dieser Greuel nicht recht abgeschaffet wird / ich meine / daß man mit solcher Kaltsinnigkeit die zarte Jugend in der heiligen Schrifft unterweiset / und alles nur auf die heydnische Gelehrsamkeit setzet / so lange wird man keine rechte Timotheos haben / welche von Kindauf die Heil. Schrifft wissen. Wird aber wohl der Fehler der unteren Schulen in den hohen Schulen ersetzet? Keines weges. Es lehret die Erfahrung / daß wohl hundert andere Collegia ehe gehal­ten werden / als ein einiges erbauliches CoIle/24jgium über die Heil. Schrifft. Siehet man wohl in Examinibus am meisten darauf / ob die meiste Zeit auf Universitäten auf das theure Wort Gottes gewendet sey? Werden nicht Licentiati und Doctores, die kaum ein rechtschaffen Collegium über die H. Schrifft gehalten haben / da sie sonst in allen andern Dingen ihre Collegia wissen aufzuweisen? Worauf wiese aber Paulus seinen Timotheum, ohne auf die H. Schrifft? Dieselbige / sagt Er / kan dich unterweisen zur Seligkeit / durch den Glauben an Christo JEsu. Denn alle Schrifft von Gott eingegeben / ist nütz zur Lehre / zur Straffe / zur Besserung / zur Züchtigung in der Gerechtigkeit / daß ein Mensch GOttes sey vollkommen / zu allem guten Werck ge- (25)schickt 2. Tim. 111,15.16.17. Bedenckts doch / ihr Studiosi Theologiae! was sollet ihr dermahleins andere Leute lehren? Gottes oder Menschen Wort? Sollet ihr aber Gottes Wort lehren / und nicht Menschen Wort / warum ist dann das theure Wort GOttes so gering bey euch geachtet? warum treibet ihr mehr allerley andere Bücher als die Heil. Schrifft? warum schöpffet ihr nicht aus der reinen und lauteren