1. Timotheus, 1695
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allgemeinen Gottesgelahrtheit Herrn D. Speners 13 / O daß ihr möchtet einem guten Rath folgen / solches Buch fleißig zu lesen / und euer gantzes Studium Theologicum darnach zu prüfen. Und wenn ihr dieses in der Furcht Gottes gelesen / so lasset euch nicht verdriessen / auch eben desselben Praefation de Impedimentis Studii Theolo- gici, so vor die Tabulas Hodosophicas Danhaueri gesetzet ist / bedächtlich durchzulesen. 14
Es funden sich zwar auch zur Zeit des Apostels viele / welche sich zu Paulo hielten; aber Timotheus hatte einen Fürzug für den andern. Denn von den übrigen saget Paulus; Sie (36) suchen alle das Ihre / nicht das Christi JEsu ist. Phil. II. v. 21. aber den Timotheum nennet er seinen laöywyov, das ist: der gleichsam ein Hertz und eine Seele mit ihm sey v. 20. Also ist es dann heutiges Tages beschaffen. Es finden sich ja noch hier und dar Studiosi Theologiae, welchen man eben nichts böses nachsagen kan / ja welche auch einiges gutes von sich spüren lassen / z. E. daß sie fleißig ihres Studirens abwarten / sich für ruchloser Gesellschafft hüten / und sich sonst so bezeigen / daß sie niemand unfertiger Händel beschuldigen kan. Aber gewiß / solte es zu einer ernstlichen Prüfung kommen / so würde man auch unter denen / welche fromme Studiosi Theologiae heissen / gar wenige Timotheos finden. Leider wird mehrentheils das Wort (37) Gottes mit rohem und unzerbrochenem Hertzen angenommen / und wollen die wenigsten der Wirckung des Göttlichen Worts völligen Platz geben / indem die meisten dencken ihren Sachen wol gerathen zu haben / wenn sie die Wissenschafft der Lehre von der Gottseligkeit in den Kopff fassen / daß sie davon reden / und andere tadeln können / gehen indessen gleichsam um den Weg der Busse her / indem die Eigen-Liebe sie immer beredet / sie bedürffen nicht einer solchen ernstlichen Umkehrung / sondern seyn schon in einem guten und Gott wohlgefälligem Zustande. Daher bleiben die meisten laulicht / eigennützig / liebloß / viel- schwätzig / wollüstig / ruhmräthig / und nehmen einen äusserlichen Schein an des gottseligen Wesens / aber die wahre Krafft verläugnen sie; 15 die we/38Jnigsten aber brechen recht hindurch zur Liebe von reinem Hertzen / und von gutem Gewissen / und von ungefärbten Glauben / 16 nach dem Exempel des Timothei. Mercket dieses / ihr Studiosi Theologiae, und sehet zu / daß eure Frömmigkeit keine Heucheley sey / und daß ihr nicht nur für Menschen fromm angesehen werdet / sondern fraget euer Hertz für GOtt / und erforschet euch recht / ob ihr in Lauterkeit für GOtt wandelt oder nicht? gedencket doch an das Wort des HErren Apoc. III. v.15.16. Ich weiß deine Werck ) daß du weder kalt noch warm bist / ach daß du kalt oder warm wärest. Weil du aber lau bist / und weder kalt noch warm / werde ich dich ausspeyen aus meinem Munde. Gewiß euer Zustand wird viel elen/39Jder seyn als anderer Menschen / wenn ihr die Göttliche Warheit von einem rechtschaffenen Wesen / daß in Christo JESU ist / ins Gehirn fasset / und selbst nicht allen Fleiß anwendet / daß in euch solches rechtschaffene Wesen sey. Bedenckts doch / ihr Studiosi Theologiae, was euer Fürsatz sey. Ihr wollet einmahl in der Gemeine des lebendigen Gottes euch als öffentliche Lehrer auffstellen lassen. Was gedencket ihr dann / daß ihr euch so wenig drum beküm-
13 Vgl. vorl. Ausg., S. 157.
14 Johann Konrad Dannhauer (1603—1666), seit 1633 Professor der Theologie in Straßburg, Lehrer Speners. Seine Hodosophia Christiana erschien 1649 in Straßburg. 1690 wurde sie von Spener in Tabellenform herausgegeben (Tabulae hodosophicae, Frankfurt a. M.). Die Vorrede ,,Über die Hindernisse des Theologischen Studiums“ enthält die wesentlichsten Punkte der von Spener und Francke angestrebten Studienreform.
15 Vgl. 2. Tim.3,1-5.