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IV. Schriften zum Studium der Theologie

mert / wie ihr würdiglich wandeln möget in dem Hause GOttes? wollet ihr dem Sohne GOttes in seinem Ampte nachfolgen / und seyd noch nicht in die Fußstapffen seines Lebens getreten? düncket euch das ein geringes zu seyn? gewiß ihr hütet euch nicht für das Gezänck der falschberühmten Kunst / (40) welche etliche fürgeben / und fehlen des Glaubens. 1 7 Suchet ihr euch nicht besser in der wahren Verläugnung als rechte Jünger Christi zu beweisen / so werdet ihr traun in Gleißnerey Lügenredner werden / und keines weges rechte Timothei. Wisset / daß ihr in eine solche Zeit kommet / da man die wahre Gottseligkeit zur Ketzerey gemachet hat / und einen Heuchler mit dem schönen Nahmen des Orthodoxi schmücket. Denn ob zwar ein orthodoxus (Rechtmeynender) wohl pius, (Gottselig) und ein pius wohl orthodoxus seyn kan / so bleibet es doch nunmehr nicht aus / daß ein orthodoxus nicht gar bald solte verdäch­tig gemachet / ja mit vielen falschen Auflagen und Verläumdungen beleget werden / wenn er anfänget von Hertzen fromm zu werden / sein (41) Christenthum in der That zu beweisen / und der Welt ihre Heucheley unter Augen zu stellen.

Paulus räth seinem Timotheo: Er soll sich selbst üben an der Gottseligkeit 1. Tim. IV. v. 7. und wir haben nicht Ursach zu zweiffeln / Timotheus sey in einer beständigen Übung zur Gottseligkeit gestanden. Denn es bedarff die Gottseligkeit gewiß einer täglichen und ernstlichen Übung. Saget mir / ihr Studiosi Theologiae, welches ist denn eure Übung an der Gottseligkeit? wie machet ihrs / oder wie fanget ihrs an / daß ihr euch versichern könnet / ihr stehet in einem warhafftigen Wachsthum des gott­seligen Wesens? Denn man siehet sein Wachsthum eben nicht allezeit / aber man muß doch die von Gott verordnete Übungen zur Gottselig/ 42) keit also gebrauchen / daß man nicht Ursache habe zu zweiffeln / GOTT werde dieselbigen segnen / zu unserm stätigen Fortgange / und Zunehmen im Christenthum.

Wie höret ihr Gottes Wort? wie erweget ihrs in eurem Hertzen? wie übet ihr das Gebet? wie dämpffet ihr die Lüste der Jugend? wie creutziget ihr euer sündliches Fleisch? wie verkündiget ihr den Todt Christi in dem heiligen Abendmahl? wie untersuchet ihr euer Gewissen? geschehen wohl alle diese Dinge aus solchem Hertzen / und auf solche Art und Weise von euch / daß ihr euch versichern könnet / daß ihr dadurch warhafftig gebessert und frömmer werdet? Gewiß / wenn man das Studenten Leben ansiehet / wie es insgemein / ich sage auch von Studiosis Theologiae / 43 /ge- führet wird / so ist es gar keine Übung zur Gottseligkeit / sondern vielmehr zur Gott­losigkeit. Dazu helffen gar wohl die Studenten-Regeln / als: man dürjfe sich nichts nehmen / oder sich nicht schimpffen lassen; man müsse sehen / daß man bey andern Studiosis in aestim und reputation komme; man müsse zuweilen eine lustige Gesellschafft mit machen / damit man nicht für singulair gehalten werde; man müsse in der Gesell­schafft fein wacker bescheid thun / und was dergleichen unchristliche Reguln mehr sind. Es möchten sich aber auch finden / welche diesen groben äusserlichen Welt-Sinn fahren lassen / ich frage sie dennoch / was sind ihre Übungen zur Gottseligkeit? Es eckelt mich für dem laulichten Wesen / so sich bey den mei/ 44 /sten / auch denen / so die Warheit erkennen / findet. Sie wollen gern fromm seyn / wie sie sagen / und wollen doch keine ernstliche Übung zur Gottseligkeit fürnehmen. Man höret eine Predigt nach der andern an / appliciret solche mehr auf andere / als auf sich selbst / bringet indessen einen Tag nach dem andern hin / studiret / aber ohne einfältiger Absicht auf Gottes Ehre / und ohne rechtem Ernst allein das jenige zu lernen / was zur Förderung der Ehre Gottes am nöthigsten und nützlichsten ist; betet / aber mit kaltsinnigen Hertzen / ohne warhafftiger Zukehr zu GOtt / wird dazu dessen bald überdrüßig / und läst sich leicht davon abhalten; list in der H. Schrifft / aber nicht

17 1. Tim.6,20f.