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IV. Schriften zum Studium der Theologie

tigen Gebet recht angeführet werden sollet. 19 Ich rathe treulich einem ieden Studio- (50) so Theologiae, daß er ihme täglich zum ivenigsten eine Stunde recht dazu aus­setze / da er sein Gemüth von allen andern Dingen suche abzuziehen / und mit GOtt in demüthiger Ehrerbietigkeit und Andacht umzugehen durch Betrachtung seines Worts / und fürnehmlich durch ein ernstliches und hertzliches Gebet. Der Teuffel wird bald etwas in den Weg werffen / damit ers verhindere / aber da muß man ihm wider­stehen / und nicht ein Haar breit weichen / biß mans in die Übung / und recht in den Schwang bringe / und man rechte Lust und Freude daran finde / ja an einer Stunde nicht gnug habe / sondern gerne noch länger mit Gott reden und umgehen wolle; Wie denn Vitus Ditericus dem Luthero des Zeugniß giebet / daß er tag/51 jlieh zwey biß drey Stunden / welche die bequemsten zum Studiren gewesen / aufs Gebet gewendet habe. 20 Da dencket ihr gleich / es werde dem Studiren zu viel abgehen; wisset aber nicht / daß man die gantze Theologie im Gebet erlernen müsse / wie auch Lutherus von ihm selbst saget. 21 Ich habe droben gesaget / daß das Gebet eines der jenigen Stücke sey / davon euch der Satan am meisten abzuziehen suchet. 0 daß ihr diesen Streich dem Satan recht ablernen möchtet / ihm desto ernstlicher zu wider­stehen. Auch bey Studiosis Theologiae, die es ernstlich mit GOtt meinen / gehet es also zu / daß wenn sie dem Gebet recht obliegen / so düncket ihnen / es wolle mit dem Studieren nicht recht fortgehen; und wenn sie denn das Studieren wieder mit Ernst vorneh/52/men / so düncket ihnen das Gebet bleibe zurück. Darum muß hier ein rechter Ernst seyn / daß beydes in die rechte Wage komme / und beten / und medi- tiren fein mit einander lauffe / so gehets denn recht / und wachset der Mensch in allerley Erkäntniß und Erfahrung. O daß unter denen Studiosis Theologiae viele Daniel wären / von welchem stehet / Dan. YI. v. 10. er kniete des Tages dreymahl auf seine Knie / betete / lobete und danckete seinem GOtt / wie er denn vorhin zu thun pflegete: doch daß es nicht äusserlich allein / und als ein gesetzliches Wesen / son­dern aus einem kindlichen Geist und Hertzen geschehe / wie würde solchen GOtt Weißheit geben für allen ihren Gesellen. Was weiters vom Gebet mögte zu erinnern seyn / ist nach der Gnade GOt/ 53) tes / die er dargereichet hat / in einem besondern Tractätlein: Schrifftmäßige Anweisung zum Gebet / genannt / von mir ohnlängst aus- geführet. 22 Es wäre ja wohl zu wünschen / daß solche Bücher / die nicht zum wissen / sondern zum thun und ausüben geschrieben sind / nicht so gering von euch geachtet würden.

Timotheus aber flöhe die Lüste der Jugend / und jagete nach der Gerechtigkeit / dem Glauben / der Liebe / dem Friede / mit allen / die den HErren anruffen von reinem Hertzen / wie ihm Paulus solch Gebot gegeben 2. Tim. II. v. 22. und wir nicht zweiffeln dürf- fen / daß es ihm nur zu seiner Stärckung fürgeschrieben sey / indem ihn Paulus selbst schon für einen solchen erkandte. Darinnen stehet er euch nun abermahls zum (54) Fürbilde / ihr Studiosi Theologiae. In einem grossen Hause / saget Paulus in dem vorhergehenden v. 20.21. sind nicht allein güldene und silberne Gefässe j sondern auch höltzerne und irrdische / und etliche zu Ehren / etliche aber zu Unehren. So nun iemand sich reiniget von solchen Leuten / der wird ein geheiliget Faß seyn zu den Ehren / dem

18 J. Arnd, Paradiesgärtlein aller christlichen Tugenden, wie dieselben in die Seele zu pflan­zen durch christliche Gebete, Leipzig/Magdeburg 1612.

20 Veit Dietrich (15061549), Schüler und Mitarbeiter Luthers. Francke bezieht sich wahr­scheinlich auf seinen Brief vom 30. Juni 1530, wo er Melanchthon über Luthers Aufenthalt auf der Feste Coburg berichtet (vgl. Corpus Reformatorum II, 159, WD III, 67).

21 Die Aussage konnte in dieser Form bei Luther nicht nachgewiesen werden.

22 Vgl. vorl. Ausg., S. 370 ff.